Kirchen präsentieren Sozialbericht

Breiter Diskussionsprozess eröffnet

Wien, 12. September 2001 (epd Ö) Mit dem Sozialbericht liege erstmals ein „paritätischer erarbeiteter Bericht von Christen aus Kirchen östlicher und westlicher Tradition“ vor. Das betonte die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Oberin Christine Gleixner, bei der Präsentation des Sozialberichts am Mittwoch, 12. September, vor Journalisten in Wien. Mit dem Vorliegen des Sozialberichtes sei die erste Phase „Standortbestimmung abgeschlossen“, nun werde die zweite Phase der öffentlichen Diskussion eröffnet. Jetzt sei es die Aufgabe, die vorliegenden Reflexionen „auf ihre Stichhaltigkeit im öffentlichen Diskurs zu prüfen.“

Mehr als 6000 Seiten sind eingegangen. 522 kirchliche und soziale Organisationen und Initiativen hatten ihre Arbeit geschildert, Wünsche und Anregungen geäußert. Bei der Pressekonferenz dankte Gleixner allen Mitwirkenden und betonte, die zahlreichen Einrichtungen hätten „in überraschender Vielfalt, Offenheit und sehr qualifizierter Weise“ geantwortet.

Chalupka: Mehr Mut von den Kirchen gefordert

„Für mich sind drei klare Linien zu erkennen, für die die kirchlichen Initiativen eintreten“, sagte der Direktor der Evangelischen Diakonie, Pfarrer Mag. Michael Chalupka. Zunächst und vordringlich erscheine in den Berichten der Gruppen immer wieder die Forderung nach gesetzlichem Schutz vor Armut und sozialer Ausgrenzung auf. Chalupka: „Das bedeutet unter anderem eine bedarfsorientierte Grundsicherung für alle.“ Eine weitere Forderung sei „Rechte vor Almosen“. Von der Sozialhilfe bis zur Situation von Flüchtlingen werde die „mangelnde Rechtssicherheit“ beklagt. Die Einhaltung der Menschenrechte dürfe sich nicht am Budget orientieren, forderte der Diakonie-Direktor. Durch ihr konkretes und solidarisches Handeln sehen sich die kirchlichen Initiativen legitimiert, gesellschaftliche Solidarität einzufordern.“ Nächstenliebe und gesellschaftliche Solidarität könnten nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gehörten zusammen. Von den Kirchen, besonders von den Kirchenleitungen, werde „mehr Mut“ erwartet, wenn es darum gehe, soziale Anliegen zu vertreten: Chalupka: „Die Kirchen können als anerkannt überparteiliche Organisationen Räume der Auseinandersetzung anbieten und unterschiedliche Positionen ins Gespräch bringen.“

Staikos: Im Mittelpunkt der Mensch als Person und Persönlichkeit

„Es geht um die Menschenwürde und darum, den ärmsten und Schwächsten unserer Gesellschaft zu helfen“ sagte Metropolit Michael Staikos von der griechisch-orthodoxen Kirche. Die Situation für Flüchtlinge und Asylsuchende habe sich in Österreich „nicht wesentlich verbessert“ und gehöre daher zu den besonderen Anliegen der „sozialen Sorgen der Kirchen.“ Im Mittelpunkt des ökumenischen Projektes „Sozialwort der Kirchen“ stehe der Mensch als Person und Persönlichkeit. Die Zusammenarbeit der Kirchen am Sozialwort weise einmal mehr darauf hin, dass innerhalb der Ökumene der Andere „nicht als Belastung sondern als Bereicherung“ empfunden werde. Hier sei Österreich beispielhaft für Europa.

Aichern: sozialer Zusammenhalt der Gesellschaft ist in Gefahr

„Eines zeigt der Sozialbericht sehr deutlich: Der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft ist in Gefahr“, dies sagte Bischof Maximilian Eichern von der katholischen Kirche. Daher brauche es eine „sozial- und gesellschaftspolitische Offensive, um Wege aus dieser Gefahr zu finden. So gehe es nun darum, in der Diskussion über den Sozialbericht „auf möglichst breiter Basis gemeinsam neue zukunftsfähige gesellschaftliche und soziale Optionen zu entwickeln.“

ISSN 2222-2464