Kirchen müssen sich für sanfte Mobilitätskonzepte öffnen

"Autofasten alleine reicht nicht aus, man muss sich vielmehr überlegen, wie man das Auto sinnvoll einsetzen kann", sagte Pfarrerin Margit Leuthold beim Autofasten-Symposium am 20. Februar in Wien. (Foto: epdÖ/M. Uschmann)
"Autofasten alleine reicht nicht aus, man muss sich vielmehr überlegen, wie man das Auto sinnvoll einsetzen kann", sagte Pfarrerin Margit Leuthold beim Autofasten-Symposium am 20. Februar in Wien. (Foto: epdÖ/M. Uschmann)

Autofasten-Symposium über Zukunft und Nachhaltigkeit des Autoverkehrs

Wien (epdÖ) – „Es muss auch im Interesse der Kirchen liegen, sanfte Mobilitätskonzepte besser zu fördern“, sagte die evangelische Pfarrerin Margit Leuthold beim Autofasten-Symposium, das am Freitag, 20. Februar, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der ökumenischen Fastenaktion in Wien stattfand. In diesem Zusammenhang sprach die Wiener Krankenhausseelsorgerin in erster Linie von Mobilitätsproblemen der älteren Gemeindemitglieder. „Wir müssen wahrnehmen, dass die Menschen, die in die Kirche gehen, immer älter werden. Diejenigen, die es ohne Hilfe nicht mehr alleine in den Gottesdienst schaffen, muss man von zu Hause abholen.“ Dabei kann sich die Pfarrerin besonders in ländlichen Regionen mit schlechter öffentlicher Anbindung „Shuttleservices“ oder Ähnliches vorstellen. „Autofasten alleine reicht nicht aus, man muss sich vielmehr überlegen, wie man das Auto sinnvoll einsetzen kann“, sagte Leuthold.

Von einer theologischen Perspektive aus sei der Verzicht aufs Autofahren in erster Linie ein Akt der Achtung vor Gottes Schöpfung. Schöpfungsverantwortung könne man auf vielfältige Weise wahrnehmen. Beispielsweise durch einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln oder das Mülltrennen. Grundsätzlich habe ein solches Verantwortungsgefühl in erster Linie mit Bildung zu tun. In diesem Zusammenhang verwies Leuthold auf das „Jahr der Bildung“, das die evangelischen Kirchen für 2015 ausgerufen haben.

Die Autofasten-Initiatorin Hemma Opis-Pieber aus Graz sprach sich für eine generelle gesellschaftliche Aufwertung des Lebens ohne Auto aus: „Es ist kein Armutszeugnis, nicht mit dem Auto zu fahren, sondern ganz im Gegenteil ein ganz bewusster und mutiger Schritt. Das wird von der Gesellschaft aber noch nicht anerkannt.“ Stattdessen gelte immer noch das Motto „mehr, schneller, besser“ in vielen Bereichen der Gesellschaft. „Davon müssen wir uns verabschieden“, so Opis-Pieber.

Auch die Grünen-Stadträtin Lisa Rücker aus Graz machte sich für ein Leben ohne Auto stark. „Wir müssen politische Rahmenbedingungen schaffen, um die autofreie Mobilität attraktiver zu machen“, meinte Rücker. In den Städten sei der öffentliche Verkehr vielerorts zwar schon so gut ausgebaut, dass er in Sachen Schnelligkeit und Komfort dem Autofahren überlegen ist, aber besonders in ländlichen Gegenden herrsche Nachholbedarf. „Der öffentliche Verkehr bietet so viele Vorteile, die dem Autofahrer verborgen bleiben, deswegen kann ich nur jedem empfehlen, an der Aktion „Autofasten“ teilzunehmen“, bekräftigte die Grazer Stadträtin.

Hinter der österreichweiten „Aktion Autofasten“ stehen in erster Linie die Umweltbeauftragten der Evangelischen und Katholischen Kirche in Österreich. Viele Aktionen der Umweltbeauftragten werden ökumenisch durchgeführt. Die Kirchen appellieren an die Österreicher, in der Fastenzeit auf Auto-Alternativen wie Bahn, Bus oder das Fahrrad umzusteigen oder auch die eine oder andere Wegstrecke zu Fuß zu gehen. Aktuell haben sich bereits rund 15.700 Personen für die Aktion angemeldet. Im zehnten Jahr des Bestehens der Aktion hofft man zudem, insgesamt auf zehn Millionen eingesparte Autokilometer zu kommen.

ISSN 2222-2464