Kirchen: Menschenwürdigere Flüchtlingspolitik gefordert

Menschen auf der Flucht - ihr Schutz verdient höchste Priorität (Foto: S. Stroux)
Menschen auf der Flucht - ihr Schutz verdient höchste Priorität (Foto: S. Stroux)

Fürbittegottesdienst vor Anhaltezentrum

Wien (epdÖ) – Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat die Bundesregierung wie alle politisch Verantwortlichen in Österreich und in Europa zu einer menschenwürdigeren Flüchtlingspolitik aufgefordert. In einer Resolution, die bei der ÖRKÖ-Vollversammlung am 9. Oktober beschlossen wurde, zeigen sich die Mitgliedskirchen in „tiefer Sorge über die Art der Behandlung des Themas Asyl und Migration durch die Politik“. Es sei selbstverständlich, dass das Thema Migration der Regelung bedarf. Ebenso selbstverständlich müsse aber sein, „dass Menschen, die auf Grund von kriegerischen Konflikten, Terror, Umweltzerstörung oder völliger Verarmung ihre Heimat verlassen müssen, Schutz zu gewähren ist“, heißt es in der Resolution.

Die heimischen Kirchen fordern einen legalen und sicheren Zugang nach Europa für diejenigen, die tatsächlich Schutz benötigen. Notwendig sei eine Neugestaltung des europaweiten Asylsystems, die menschliche Aufnahmebedingungen einschließt, sowie ein europaweites Resettlement-Programm, das den Menschen und seine Würde ins Zentrum stellt. Um dieses Ziel zu erreichen, appelliert der Ökumenische Rat der Kirchen an die österreichische Bundesregierung und an die europäischen Institutionen, „dem Schutz von Flüchtlingen und der Rettung von Menschen in Not höchste Priorität einzuräumen“.

In einer weiteren Resolution rufen die Kirchen zur Hilfe für die bedrängten Christen im Nahen Osten auf: Die Terrormiliz des so genannten „Islamischen Staates“ und andere extremistische Gruppierungen hätten im Irak und in Syrien ungeheures Leid über Christen und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften gebracht. Die Welt dürfe dazu nicht schweigen. Die internationale Gemeinschaft sei gefordert, für den nahöstlichen Raum Friedenslösungen durchzusetzen, die von gleichen Rechten für alle Bürgerinnen und Bürger ausgehen. Die religiösen Führungspersönlichkeiten des Islams mögen mit größerer Entschlossenheit und Deutlichkeit die Umtriebe der Extremisten anprangern.

Um der Forderung nach einer menschlicheren Asylpolitik Nachdruck zu verleihen, wird der ÖRKÖ die Trägerschaft für einen „Tag der Fürbitte und des Gedenkens“ für die an der Außengrenze der EU zu Tode gekommenen Flüchtlinge mit übernehmen. Aus Anlass dieses europaweit von der „Churches‘ Commission for Migrants in Europe“ (CCME) getragenen Gedenktags wird in Wien am 9. Dezember (dem Vorabend des „Tages der Menschenrechte“) vor dem Polizeilichen Anhaltezentrum am Hernalser Gürtel ein Fürbittgottesdienst stattfinden.

Der ÖRKÖ-Vorsitzende Superintendent Lothar Pöll erinnerte bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates weiters daran, dass die Römisch-katholische Kirche fast auf den Tag genau vor 20 Jahren als Vollmitglied dem Ökumenischen Rat beigetreten ist. Auch damit habe Österreich eine Vorreiter-Rolle in der ökumenischen Bewegung gespielt. Die Weltkirche-Referentin der Evangelischen Kirche, Elisabeth Pausz, die bei der Vollversammlung des Weltkirchenrats im koreanischen Busan im Herbst 2013 in dessen Zentralausschuss gewählt wurde, berichtete über ihre ersten Erfahrungen in der weltweiten ökumenischen Organisation: Bei der jüngsten Sitzung im Juli sei viel Gewicht auf die Haltung der Christen zu großen Herausforderungen wie Globalisierung, Migration, Ökologie und Klimawandel, Verzicht auf Nuklearwaffen und Nuklearenergie gelegt worden. Zugleich wurden die dramatischen Veränderungen der „religiösen Landschaft“ thematisiert, die auch für den Weltkirchenrat ein Umdenken erfordern: Insbesondere das starke Wachstum der „Pfingstkirchen“ werde Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Schlussveranstaltung des Vorgangs „Sozialwort 10+“ wird am 3. Dezember im Wiener Albert Schweitzer Haus stattfinden. Wie der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker ankündigte, wird der ÖRKÖ-Vorstand anschließend die Ergebnisse des einjährigen Vorgangs „sozialwort 10+“ auswerten und der nächsten Vollversammlung vorlegen.

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ISSN 2222-2464