Kirchen: Kinder brauchen freien Sonntag

„Allianz für den Sonntag“ macht auf Bedeutung des Sonntags für Kinder und Familien aufmerksam – Bischof Sturm: Kindern freie Zeit nicht verderben

Wien, 24. April 2002 (epd Ö) Die gemeinsame freie Zeit am Sonntag sei wichtig für das gesellschaftliche Zusammenleben und besonders auch für Kinder. Das betonte der evangelisch-lutherische Bischof, Mag. Herwig Sturm, am Montag beim Medien-Event „Freie Zeit für Kinder!“ in der Kirche „Christus, Hoffnung der Welt“ bei der Wiener UNO-City. Kinder des Kindergartens Murlingengasse aus Wien-Meidling hatten gezeichnet, was sie mit ihren Eltern und Freunden in der freien Zeit unternehmen. „Macht unsere Zeit nicht zu Geld“, das sei die Grundaussage dieser Zeichnungen, so Bischof Sturm bei der von der „Allianz für den Sonntag“ getragenen Veranstaltung in der Kirche „Christus, Hoffnung der Welt“.

Die Zeit der Kinder sei noch nicht ausgerichtet auf gesellschaftlich und ökonomisch vorgegebene Ziele. Die Erwachsenen würden ihnen diese Freizeit aber verderben, wenn sie im Sinne von „Zeit ist Geld“ verzweckt werde. „Die Geschäftsleute und Konzerne, die auch am Sonntag den Kunden ihr Königreich öffnen wollen, machen den Sonntag zum siebenten Wochentag. Das ist eine Magerkur des Lebens“, so Sturm wörtlich. Die Menschen würden nicht mehr Zeitvertreib, sondern Zeitgewinn brauchen, nicht noch mehr Gelegenheiten zum Geldausgeben, sondern mehr „Farben im Leben“. Die gemeinsame Zeit, die Räume der Begegnung, die Farben des Lebens müssten geachtet und geschützt werden, forderte der Bischof.

Sonntagsöffnung unwirtschaftlich

Renate Csörgits, ÖGB-Vizepräsidentin, kritisierte die jüngsten Vorstöße einiger großer Handelsketten, den Sonntag als vollwertigen Verkaufstag zu etablieren. „Sie können es noch immer nicht lassen, obwohl seriöse Untersuchungen die weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten als unwirtschaftlich bezeichnen“, so Csörgits wörtlich. Dabei werde auch verschwiegen, dass der Großteil der Geschäfte schon mit der Öffnung am Samstag Nachmittag nicht die erwarteten Umsatzsteigerungen erzielt habe. Die Menschen hätten nicht mehr Geld zum Ausgeben, so Csörgits. Dies wäre auch bei einer Öffnung am Sonntag nicht anders. In erster Linie wären daher auch nur große Handelsketten daran interessiert. Mittleren und kleinen Betrieben würde dies nichts bringen.

Große Probleme würden sich auch bei der Kinderbetreuung ergeben, sowohl für allein Erziehende als auch für Familien mit beiden Elternteilen, unterstrich die ÖGB-Vizepräsidentin. Eine der Folgen: „Kindergärten müssen auch am Sonntag aufsperren, und damit müssen noch mehr Menschen an diesem Tag arbeiten.“

Kampagne „schneller leben?“

Der Medienevent „Freie Zeit für Kinder!“ ist Teil der Kampagne „Schneller leben? Lebensqualität durch gemeinsame freie Zeit“, die von der „Allianz für den Sonntag“ durchgeführt wird. In weiteren Events soll unter anderem auch die Bedeutung gemeinsamer freier Zeit für das Leben in Vereinen und Kirchen dargestellt werden. Zu den 46 Mitgliedsorganisationen der Allianz zählen neben Kirchen und kirchlichen Organisationen auch der Österreichische Gewerkschaftsbund, das Wirtschaftsforum der Führungskräfte und der Österreichische Alpenverein.

ISSN 2222-2464