Kirchen im Burgenland engagieren sich für Gedenken an NS-Opfer

Gemeinden werden eingeladen, Gedenkstätten einzurichten – Superintendent Koch und Bischof Iby schrieben an die Bürgermeister

Eisenstadt (epd Ö) – Dem Gedenken an die während der NS-Herrschaft verschleppten und ermordeten Roma und Juden widmet sich eine Initiative der evangelischen und der katholischen Kirche im Burgenland: In einem gemeinsam unterzeichneten Schreiben an alle Bürgermeister und Pfarrer laden Superintendent Manfred Koch und Bischof Paul Iby dazu ein, dieses Thema aufzuarbeiten und Gedenkstätten einzurichten. Dem Brief angeschlossen ist auch ein Textvorschlag für eine Gedenktafel.

„Wohin mit unseren Herzen?“ heißt es im Betreff des mit Ende März datierten Schreibens. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten im Burgenland in etwa 120 Gemeinden rund 8.000 Roma und mehr als 3.600 Juden: „Viele von ihnen mussten ihr Leben in den Konzentrationslagern lassen. Manche sind auf den Transporten ermordet worden. Wir wissen nicht, was tatsächlich mit ihnen geschehen ist.“

Jeder Mensch habe einen Anspruch auf eine Grab-, zumindest aber auf eine Gedenkstätte, so die beiden Geistlichen: „Wir möchten einen Beitrag leisten, die Geschichte zu bewältigen und jenen, die keine Grabstätte haben, ein Gedenken setzen. Damit sollen das Zusammenleben untereinander und die Beziehungen zwischen den Völkern gefestigt werden.“ Land, Gemeinden, Pfarren sowie Schulen, Jugendgruppen und Vereine werden eingeladen, vor Ort das Thema aufzubereiten und derartige Gedenkstätten zu errichten.

Orte der Trauer

„Wir sind immer wieder versucht als Gesellschaft, dass wir ganze Gruppen ausgrenzen wollen“, so Superintendent Manfred Koch. Auch gebe es damals wie heute die Versuchung, für Probleme „Sündenböcke“ zu suchen: „Es ist einfach gut, wenn man alle Gemeinden darauf aufmerksam macht, dass eben diesen Tendenzen zu wehren ist.“ Über Reaktionen auf das Schreiben habe er noch keine Informationen. Eine Anregung zu einer Initiative sei von der Roma-Seelsorge gekommen, schildert Bernhard Dobrowsky, stellvertretender Direktor des Pastoralamtes der Diözese Eisenstadt. Roma hätten das Anliegen geäußert, „dass sie eigentlich keine Orte haben, wo sie um ihre Angehörigen, die im KZ umgebracht wurden, trauern können.“ An Reaktionen aus den Gemeinden liege bisher ein Brief des Güssinger Bürgermeisters vor. Dieser weise darauf hin, dass es in der Stadt schon eine Erinnerungstafel gebe. Man sei auch bereit, eventuell auf dem Friedhof etwas zu machen. Die Präsidenten der Gemeindevertreterverbände im Burgenland stehen laut „Neue BVZ“ dem Anliegen positiv gegenüber. An einer Gedenktafel gearbeitet werde derzeit beispielsweise in Großwarasdorf, wo in einer Siedlung im Ortsteil Langental 184 Roma lebten.

ISSN 2222-2464