Kirchen begehen am 17. Jänner Tag des Judentums

Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Foto: pixabay
Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Foto: pixabay

Zentraler Gottesdienst in Wien-Favoriten – Veranstaltungen in ganz Österreich

Wien/Innsbruck/Salzburg/Linz (epdÖ) – An einem Freitag begehen heuer die Kirchen in Österreich den „Tag des Judentums“, der alljährlich am 17. Jänner gefeiert wird. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Gottesdiensten erinnern die Kirchen dabei an die Verbundenheit von Christentum und Judentum. Der zentrale Gottesdienst des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRKÖ) zum „Tag des Judentums“ findet am 17. Jänner (18 Uhr) in der Wiener evangelisch-reformierten Erlöserkirche (Wielandgasse 9, 1100 Wien) statt. Die Predigt hält der neue Vorsitzende des ÖRKÖ, Domdekan Rudolf Prokschi, der das Amt mit Jahresbeginn vom reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld übernommen hat.

In Wien veranstaltet die Initiative „Vernetzte Ökumene Wien West“ in Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit bereits am 16. Jänner (19 Uhr) eine „Einstimmung in den Tag des Judentums“ in der Bezirksvorstehung Brigittenau (Brigittaplatz 10, 1200 Wien). An dem Gedenken der zwei Synagogen in der Kluckygasse und Kaschlgasse nehmen u.a. der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Benjamin Nägele, und sein Vorgänger Raimund Fastenbauer, der für den Dialog mit dem Judentum in der Erzdiözese Wien beauftragte Dechant Ferenc Simon sowie Pfarrer Thomas Wetschka von der Altkatholischen Kirche teil. Zu Wort kommen werden bei der Veranstaltung u.a. auch der Synagogenforscher Pierre Genée, Bezirksvorsteher Hannes Derfler und Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. An die Vorträge schließen Totengebet, Schuldbekenntnis und Friedensbitten an.

Bei den beiden Synagogen handelte es sich bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten um die größten jüdische Glaubenseinrichtungen in der Brigittenau. Die 1899/1900 errichtete Synagoge in der Kluckygasse mit ihren rund 550 Sitzplätzen war auch als „Brigittenauer Tempel“ bekannt. Die Synagoge in der Kaschlgasse wurde von 1931 bis 1932 als „funktionalistische“ Baustruktur mit Wohnungen in den oberen Etagen errichtet und verfügte über 600 Sitzplätze. Beide Synagogen wurden während der Novemberpogrome 1938 zerstört.

Ökumenische Spendenaktion in Tirol

Zu einer Spendenaktion unter dem Titel „Einander zum Segen werden – Thorarolle 2021“ rufen die evangelische und die römisch-katholische Kirche in Tirol auf. Der Salzburger-Tiroler Superintendent Olivier Dantine und der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler geben dazu am Donnerstag, 16. Jänner, im Innsbrucker Haus der Begegnung (19 Uhr; Rennweg 12) den offiziellen Startschuss. Die Veranstaltung selbst ist dem Buch der Psalmen gewidmet. Bereits am Dienstag, 14. Jänner, hatten Glettler, Dantine und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Günter Lieder, bei einem Pressegespräch in Innsbruck die Aktion vorgestellt.

An der Universität Salzburg (Universitätsplatz 1) findet am 16. Jänner um 15 Uhr ein Studiennachmittag im Vorfeld des „Tages des Judentums“ statt. Dieser steht u.a. unter dem Motto „Jerusalem – unter die Kulissen geschaut“. Es referieren der Archäologe und Theologe Dieter Vieweger (Jerusalem/Wuppertal) und der Historiker Theodor Dunkelgrün (Cambridge).

Am gleichen Tag um 19.30 lädt auch die Katholische Privatuniversität Linz (Bethlehemstraße 20) zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Leben zwischen Judentum und Christentum – in Vergangenheit und Gegenwart“. Ein historischer Teil beleuchtet die Nürnberger Rassengesetze, ein zweiter Teil widmet sich Menschen der Gegenwart: „Was bedeutet es heute für die Identität von Menschen, jüdisch zu sein, jüdische Vorfahren zu haben oder mit einem Partner aus der jeweils anderen Religion zu leben? Zu Wort kommen u.a. Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, und die Linzer Historikerin Birgit Kirchmayr.

Die Initiative zum „Tag des Judentums“ geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum dafür wurde bewusst gewählt: So sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ (18. bis 25. Jänner) weiter tragen, denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.

Schlagworte: | |

ISSN 2222-2464