Kirche: Einsatz für Frieden und Solidarität

Offizieller Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen in der Wiener Reformierten Stadtkirche

Wien, 23. Jänner 2002 (epd Ö) „Die Kirche darf die Augen nicht vor den Problemen der Welt verschließen, sondern muss sich für Frieden, Einheit und Solidarität einsetzen“, forderte der syrisch-orthodoxe Chorepiscopos Emanuel Aydin am Sonntagabend in der reformierten Stadtkirche in Wien. Anlässlich der Weltgebetswoche zur Einheit der Christen gestalteten führende Vertreter der Kirchen des ökumenischen Rates einen Gottesdienst zum Thema „Bei Dir ist die Quelle des Lebens“.

Kirchen dürfen sich nicht einmauern wie „abgeschlossene Zisternen“, warnte Aydin in seiner Predigt. Kirche sei nur dann Kirche, wenn sie aus lebendigen Christen bestehe, „die lebendigen Strömen gleichen und ihr Wasser auch für andere sprudeln lassen“. Kritisch merkte Aydin an, dass „der Durst nach Frieden, gleichverteiltem Reichtum und Gerechtigkeit nach wie vor nicht gestillt ist“. Vielmehr sei die Ungerechtigkeit noch immer ein enormer Angriff auf die Würde des Menschen. Dass zeige sich tagtäglich aufs Neue und sei vor allem im September vergangenen Jahres sehr deutlich geworden. „In unserer Welt herrscht ein Widerspruch zwischen dem Willen des Schöpfers und den Geschöpfen“, darum müssten alle Menschen zu ihrer Quelle, zu Gott, zurückkehren, mahnte Aydin.

Der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos verwies auf die Bedeutung der „Charta Oecumenica“: Sie sei ein konkretes Zeichen der ökumenischen Gesinnung und der Sehnsucht nach Wiederherstellung der christlichen Einheit. Das Ringen um die Wiederherstellung dieser Einheit bedeute Verantwortung, Pflicht und Verpflichtung. Die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Prof. Christine Gleixner, gab bekannt, dass sich alle Mitgliedskirchen des ÖRKÖ positiv zur „Charta Oecumenica“ ausgesprochen hätten, und bezeichnete dies als „klaren Vertrauenserweis“.

Zum Abschluss des Gottesdienstes verteilten die Repräsentanten der christlichen Kirchen Wiens – unter ihnen neben der Vorsitzenden der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian, der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl, der evangelisch-lutherische Superintendent Werner Horn, der altkatholische Bischof Bernhard Heitz – Blumen an die Gottesdienstteilnehmer. Diese Blumen repräsentierten die Vielfalt der christlichen Kirchen, so der reformierte Landessuperintendent Peter Karner. Ziel der Ökumene könne nicht eine Einheitskirche sein; es sei „schöner, lustiger und spannender“, dass es unterschiedliche Ausformungen von Kirche gebe.

ISSN 2222-2464