Kindergarten in Mostar leistet Versöhnungsarbeit

Mit Liebe, Toleranz und Respekt arbeiten die Kindergärtnerinnen in Mostar gegen Vorurteile und Segregation an. (Foto: Diakoniewerk)
Mit Liebe, Toleranz und Respekt arbeiten die Kindergärtnerinnen in Mostar gegen Vorurteile und Segregation an. (Foto: Diakoniewerk)

Diakoniewerk unterstützt das Projekt seit 12 Jahren

Gallneukirchen/Mostar (epdÖ) – Der Völkermord auf dem Balkan ist nicht vergessen: Auch 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica sind Misstrauen und Hass noch allgegenwärtig. Jenes Massaker, bei dem im Juli 1995 mehr als 8000 muslimische Männer und Buben getötet wurden, war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Dieser Tage gedenken zehntausende Menschen des Völkermordes. Trotz des Wiederaufbaus sind Wunden geblieben, die auch Grund sind für Konflikte zwischen den ethnischen Gruppen.

Das Diakoniewerk hat vor 12 Jahren mit einem außergewöhnlichen Projekt einen ersten Schritt in Richtung Versöhnungsarbeit gesetzt. Seit 2002 unterstützt das Diakoniewerk den Kindergarten „Sunčani most“ – übersetzt „Sonnenscheinbrücke“ – und fördert, dass Kinder vorurteilsfrei miteinander spielen und voneinander lernen können. Mehr als 400 Kinder aller ethnischen Gruppen mit und ohne Behinderung und aus unterschiedlicher sozialer Herkunft wurden seit der Gründung bereits betreut. Engagierte bosniakische, kroatische und serbische Kindergärtnerinnen bemühen sich tagtäglich darum, Vorurteile gegenüber Kindern mit Behinderung sowie kulturelle, religiöse und sprachliche Unterschiede zu überwinden. „Aus einer ‚mission impossible‘ ist eine ‚mission possible‘ geworden“, sagt Biljana Čelan, die seit Beginn den Kindergarten leitet. Liebe, Toleranz und Respekt sind für sie die entscheidenden Faktoren des Erfolgs ihrer Arbeit.

2014 erhielt das Diakoniewerk für den Kindergarten den von Außenminister Sebastian Kurz ausgeschriebenen und mit 10.000 EUR dotierten Hauptpreis des Intercultural Achievement Awards. Mit diesem Preis werden Non-Profit-Organisationen sowie impulsgebende Projekte aus aller Welt, die den interkulturellen Dialog fördern, ausgezeichnet. Dennoch ist die finanzielle Situation angespannt, heißt es aus dem Diakoniewerk. Die Arbeit in Mostar sei ein Balanceakt zwischen der Notwendigkeit und dem Wunsch, hier Schritte in Richtung Interkulturalität und Inklusion zu gehen, und der mühsamen Absicherung der finanziellen Mittel zum Erhalt des Kindergartens. „Mit dem Kindergarten wollen wir Brücken bauen und Sonnenschein verbreiten, wie es der Name ‚Sunčani most‘ zum Ausdruck bringt. In einem Land, dessen Bildungssystem nach wie vor auf Segregation setzt, ist dieser Kindergarten ein Leuchtturm, der in die Zukunft weist“, ist die Rektorin des Diakoniewerks, Christa Schrauf, überzeugt. Finanziert wird der Kindergarten aus Elternbeiträgen, regelmäßigen finanziellen Zuwendungen der Stadt Mostar und zu einem großen Teil aus Spenden.

Trotz der gemischt-ethnischen Struktur wie auch des multiethnischen Bildungsauftrags des Kindergartens wurde „Sunčani most“ nun zu einem Kooperationsprojekt mit der neuen Fakultät der in kroatischer Sprache lehrenden Universität Mostar eingeladen. Studierende dieser Fakultät werden im Kindergarten ein Praktikum absolvieren.

ISSN 2222-2464