„Keine neuen Impulse im Pontifikat Benedikts XVI.“

Ab 28. Februar ist der "Stuhl Petri" nicht mehr besetzt. "Die ökumenischen Hoffnungen richten sich nicht auf die nächste Papstwahl, sondern auf die befreiende Kraft des Evangeliums", schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in einem Kommentar für die Wochenzeitung "Die Furche". (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Ab 28. Februar ist der "Stuhl Petri" nicht mehr besetzt. "Die ökumenischen Hoffnungen richten sich nicht auf die nächste Papstwahl, sondern auf die befreiende Kraft des Evangeliums", schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in einem Kommentar für die Wochenzeitung "Die Furche". (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Körtner: „Bis heute Distanz zur reformatorischen Theologie“

Wien (epdÖ) – „Mit Benedikt XVI. tritt ein Theologe von Rang ab, dem auch protestantische Theologen und kirchenleitende Personen Anerkennung zollen“, schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in der aktuellen Ausgabe der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ vom 14. Februar.

„Ökumenisch hat sein Pontifikat jedoch aus evangelischer Sicht keine neuen Impulse gesetzt“, bilanziert Körtner. Die Fortschritte mit den Orthodoxen oder den Pius-Brüdern seien Papst Benedikt XVI. wichtiger gewesen als der Dialog mit den Protestanten. Seine „eigenwillige Sicht“ auf Vernunft und Glaube, Aufklärung und Reformation hätte gezeigt, wie groß die Distanz zur reformatorischen Theologie bis heute geblieben sei. In seiner Amtszeit habe er das konservative Profil der Römisch-katholischen Kirche betont. „Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 sollten sich die protestantischen Kirchen ermutigt fühlen, sich auf ihre eigenen Wurzeln und Stärken zu besinnen. Ihre ökumenischen Hoffnungen richten sich nicht auf die nächste Papstwahl, sondern auf die befreiende Kraft des Evangeliums.“

Aus evangelischer Sicht verdiene der Schritt des Papstes Respekt, dadurch hebe er sich wohltuend von seinem Vorgänger, Papst Johannes Paul II., ab. Dessen Leiden am Ende seines Lebens sei christologisch erhöht worden – eine theologisch problematische Entwicklung, so Körtner. „Weder Karol Wojtyla noch Joseph Ratzinger dürfen mit dem gekreuzigten Christus verwechselt werden. Das ist blasphemisch. Einzig Christus ist für die Welt und ihre Sünden gestorben, niemand sonst. Darum kann man auch als evangelischer Christ nur dankbar sein, dass er dem Beispiel seines Vorgängers in diesem Punkt nicht folgt.“

Den Kommentar Ulrich Körtners können Sie hier nachlesen: bit.ly/YaicSV/

ISSN 2222-2464