Karner: Ritualisierte Bewältigungshilfe

Pfarrer in Köln feiert „Scheidungsrituale“ mit „seelsorgerlicher Kompetenz“

Wien, 22. August 2001 (epd Ö) „Grundsätzlich positiv“ sieht Landessuperintendent HR Mag. Peter Karner das „Scheidungsritual“ eines Kölner Pfarrers. Der evangelische Pfarrer Armin Beuscher hat gemeinsam mit einem geschiedenen Paar das „Scheidungsritual“ erarbeitet und bereits in der Kölner Matthäus-Kirche gefeiert. Dabei werden Fehler der Vergangenheit des Paares in Form von „Schuldbriefen ausgearbeitet, die dann vom Pfarrer verbrannt werden. Das Paar gibt seine Eheringe zurück, gemeinsam wird das Vaterunser gesprochen, und nach einem Segen ist das „Scheidungsritual“ zu Ende. „Die Kirche sollte die Leute in der Lebenssituation nach der Scheidung nicht allein lassen“, meint Beuscher. Wir haben die seelsorgerliche Kompetenz und Erfahrung mit Abschieden, Loslas-sen und Trennung“, so der Geistliche. Das ganze habe mit „Unterstützung der Scheidung nicht das geringste zu tun.“

Für Karner geht es „um eine ritualisierte Bewältigungshilfe in Form eines Gottesdienstes“. Dies sagte der Landessuperintendent gegenüber dem ORF. Eine liturgische Feier sollte aber „nur unter bestimmten Voraussetzungen gefeiert werden“. Die innere und geistige Bereitschaft zur Vergebung müssen dabei im Mittelpunkt stehen.“ Ablehnend steht der Landessuperintendent den rituellen Symbolen des Kölner Pfarrers wie dem Verbrennen von „Schuldbriefen“, gegenüber.

Peter Karner schrieb bereits 1976 eine „Scheidungspredigt „ und veröffentlichte vor kurzem seine Version eines „Scheidungsgottesdienstes“ in der Zeitschrift für Praktische Theologie.

ISSN 2222-2464