Karfreitag: Witwe von Norman Tendis appelliert an Bundesregierung

"Ich spüre mich in meinem tiefen persönlichen Schmerz verbunden mit allem sinnlosen Leid dieser Welt, mit dem Leiden unserer Erde, die aufschreit." Foto: epd/Uschmann
"Ich spüre mich in meinem tiefen persönlichen Schmerz verbunden mit allem sinnlosen Leid dieser Welt, mit dem Leiden unserer Erde, die aufschreit." Foto: epd/Uschmann

Astrid Tendis-Knely: „Der Karfreitag muss leise sein“

St. Ruprecht/Wien (epdÖ) – In einem offenen Brief wendet sich die Witwe des vor zwei Wochen bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen evangelischen Kärntner Pfarrers Norman Tendis an die österreichische Bundesregierung. Darin ruft Astrid Tendis-Knely dazu auf, die Abschaffung des Karfreitags als Feiertag zurückzunehmen. Ihr persönlicher Schmerz, so Tendis-Knely in dem in der „Kleinen Zeitung“ veröffentlichten Schreiben, verbinde sie mit „allem sinnlosen Leiden in der Welt“ – und das komme am Karfreitag zum Ausdruck.

Hier der Brief im Wortlaut:

„Am 10. März starb mein Mann, der evangelische Pfarrer Norman Tendis, beim Flugzeugabsturz in Äthiopien. Und ich erhebe meine Stimme als seine Frau, Mutter seiner drei Kinder, Mitstreiterin, evangelische Theologin, Protestantin – Angehörige einer kleinen Minderheit. Noch drei Tage vor seinem sinnlosen Tod protestierten wir beide gemeinsam für einen KarFREItag im Landhaushof, mit vielen anderen ChristInnen. Nun bin ich ein paar Tage später Witwe geworden.

Mein Mann kommt von seiner Reise nie wieder. Das muss ich, wie viele andere Angehörige auch, annehmen lernen. Aus meinem Schmerz und meiner Schwachheit heraus stimme ich in die Stimme der Klagepsalmen ein: ‚ … mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs‘ (Psalm 22).

Es ist Passionszeit, Leidenszeit, Zeit des Mitgefühls. Aus meinem tiefen Schmerz heraus möchte ich Ihnen erklären, warum ich und – ich denke – alle Christinnen und Christen in Österreich einen FREIEN Karfreitag brauchen: Ich spüre mich in meinem tiefen persönlichen Schmerz verbunden mit allem sinnlosen Leid dieser Welt, mit dem Leiden unserer Erde, die aufschreit – der Natur, der Tiere, mit dem sinnlosen Leiden aller Menschen auf unserer Erde.

All dies Leid mündet für mich im Karfreitag. In diesem leisen, stillen Tag im Jahr, eingebettet in den Jahreskreislauf. Diesen Karfreitag kann ich nicht drei Monate vorher beantragen. Auch der laute Alltag um mich herum stört am Karfreitag. Der Karfreitag muss leise sein. Die Entscheidung unserer Regierung verletzt mich. Denn der Karfreitag ist eine Chance für uns, all das Leid auf dieser Welt wahrzunehmen, sich ihm still auszusetzen und im gemeinsamen Mitgefühl daraus auf Ostern zuzugehen und zu handeln. Denn Ostern zeigt mir: Mit dem Tod ist nicht alles aus. Ich glaube: Die Liebe ist stärker als der Tod.

Mag.a theol. Astrid Tendis-Knely, St. Ruprecht bei Villach“

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ISSN 2222-2464