Karfreitag: Der Tag der Gottverlassenheit

Durch das EuGH-Urteil wird auch über den Sinn des Karfreitags diskutiert. Foto: epd/Uschmann
Durch das EuGH-Urteil wird auch über den Sinn des Karfreitags diskutiert. Foto: epd/Uschmann

Von Gott und der Welt: Michael Chalupka über einen Tag des Innehaltens und Bedenkens

Noch zeichnet sich keine Lösung für den Karfreitag ab. Die Bundesregierung hält sich bedeckt und verspricht die Quadratur des Kreises. Den Evangelischen soll nichts weggenommen werden, den anderen aber auch nichts gegeben, und das alles darf niemanden bevorzugen. Wie immer die rechtliche Klärung ausgeht. Es ist gut, dass der Sinn des Karfreitags diskutiert wird.
Der Karfreitag ist ein besonderer Tag. Nicht nur deshalb, weil der Tod Jesu eine historische Tatsache ist, die auch von römischen Historikern wie Tacitus belegt ist, sondern weil der Karfreitag der Tag ist an dem die Christenheit die menschliche Erfahrung des Leidens und der Gottverlassenheit bedenkt. Der Karfreitag, das ist die totale Leere, das Ende aller menschlichen Versuche, dem Dasein einen Sinn abzugewinnen. Gott begibt sich selber ins menschliche Elend. Gott ist auch dort gegenwärtig ist, wo wir meinen, von ihm verlassen zu sein. Der Tiefpunkt menschlichen Lebens wird zum Beginn einer neuen Hoffnung.

Einen solchen Tag des Innenhaltens und Bedenkens für alle zu haben, mitten im Hamsterrad des Produzierens und Konsumierens, macht Sinn, über die konfessionellen Grenzen hinaus. Dass durch dieses Urteil des EuGH’s auch eine Debatte um ein Feiertagsrecht angestoßen wird, das der Pluralität unserer modernen Gesellschaft entspricht, ist ein weiterer positiver Aspekt. Wie die Debatte ausgeht? Wir dürfen gespannt sein.

Michael Chalupka ist evangelischer Pfarrer und Geschäftsführer der Diakonie Bildung. Kontakt: ta.gn1566141536ave@a1566141536kpula1566141536hc.le1566141536ahcim1566141536

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ISSN 2222-2464