Käßmann übt scharfe Kritik an Konsumgesellschaft

Auf der LWB-Vollversammlung fordert die hannoversche Landesbischöfin zu einem nachhaltigen Lebensstil auf.

Winnipeg, 25. Juli 2003 (epdÖ) Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im kanadischen Winnipeg scharfe Kritik an der Konsumgesellschaft geübt. „Das Leben besteht bei den Erfolgreichen oft aus dem Versuch, möglichst viel raus zu holen: Du musst mithalten können mit deinem Auto, deinem Haus und deinem Geld“, sagte Käßmann am Mittwoch vor rund 700 Teilnehmern der bis Ende Juli dauernden Kirchen-Konferenz. Zudem kritisierte sie einen übertriebenen Schönheitskult.

„Als Frau, da musst du vor allem schlank sein, richtig aussehen. Da wird sich Botox-Gift unter die Falten gespritzt, der Busen mit Silikon ausgefüttert, Fett abgesaugt – es gibt eine große Angst vor dem Altern“, meinte die Bischöfin. Nach dem Sinn des Lebens fragten die Menschen nicht viel. Käßmann forderte zu einem „nachhaltigen Lebensstil“ auf. Globalisierung müsse so gestaltet werden, dass nicht der Profit für wenige zähle, sondern soziale Gerechtigkeit für alle.

Mit einer Mahnwache vor der kanadischen Einwanderungsbehörde will der Weltbund am kommenden Dienstag gegen das Einreiseverbot für Kirchen-Vertreter protestieren. Rund 50 Mitglieder der Kirchen- Konferenz aus Entwicklungsländern erhielten kein Visum, berichtete die Organisation.

LWB-Generalsekretär Ishmael Noko sprach von einer „Demütigung“ des Lutherischen Weltbundes. Es sei nicht hinnehmbar, dass Menschen aus Ländern der Dritten Welt ausgegrenzt werden, betonte der Präsident des Weltbundes, der frühere Braunschweiger Landesbischof Christian Krause. Betroffen seien 27 Kirchenvertreter aus Indien. Daneben dürfen auch Christen aus Äthiopien, Madagaskar, Bangladesh und anderen Ländern nicht nach Kanada einreisen.

Der Lutherische Weltbund wurde 1947 gegründet. Die Kirchen-Gemeinschaft kommt alle sechs Jahre zu ihrer Vollversammlung zusammen.

ISSN 2222-2464