Käßmann: „Rede von sicheren Atomkraftwerken ist Hybris“

Klare Position in Fragen der Atomkraft: Margot Käßmann und Michael Bünker im Gespräch mit Journalisten
Klare Position in Fragen der Atomkraft: Margot Käßmann und Michael Bünker im Gespräch mit Journalisten

Bei einem Pressegespräch in Wien fordern Margot Käßmann und Michael Bünker den Ausstieg aus der Atomenergie

Wien (epd Ö) – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe immer wieder den Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Das betonte die ehemalige Bischöfin und Vorsitzende des Rates der EKD Margot Käßmann am 14. März in einem Pressegespräch in Wien. Im Blick auf die Katastrophe in Japan erinnerte die Theologin an die alttestamentliche Geschichte vom Turmbau zu Babel und erklärte, die Rede von den „sicheren Atomkraftwerken“ sei „einfach Hybris“. Gerade die Situation in einem Land wie dem hochtechnisierten Japan zeige, dass die Technologiegesellschaft „Demut lernen“ müsse, denn „sie beherrscht nicht alles“.

Zur gewaltsamen Reaktion des Machthabers Gaddafi auf den Aufstand in seinem Land machte Käßmann darauf aufmerksam, dass der Diktator von westlichen Ländern lange „hofiert“ worden sei. Heute sei ein Eingreifen in die Auseinandersetzungen nur mit einem UNO-Mandat möglich. Grundsätzlich forderte Käßmann, die darauf hinwies, dass sie angeregt von der Person Martin Luther Kings Theologie studiert habe und in ihrer Jugend vom Friedensdienst geprägt worden sei: „Wir brauchen so etwas wie eine internationale Polizei.“

„Kirche muss im gesellschaftlichen Diskurs überzeugend argumentieren“

Angesprochen auf ihren Rücktritt von den kirchenleitenden Ämtern wegen einer Alkohol-Autofahrt im vergangenen Jahr sagte die ehemalige Bischöfin: „Es war bitter für mich, aber es ist auch ein Zeichen evangelischer Freiheit“: Einerseits hänge die Kirche nicht daran, dass eine bestimmte Person ein Amt ausübe, andererseits hänge die Person nicht an dem Amt.

Gefragt nach der spezifischen Arbeitsweise von Frauen in Leitungsämtern der evangelischen Kirchen erklärte Käßmann: „Männer leiten pyramidenförmig, Frauen netzförmig“. Dass, wie Journalisten in dem Gespräch einwandten, die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen insgesamt im Abnehmen sei, könne sie aus deutscher Sicht nicht bestätigen. Allerdings müsse Kirche sich in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs begeben und überzeugend argumentieren.

Bünker: In Österreich keine Diskussion über grundlegende ethische Fragen

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sagte zur Person Margot Käßmanns, sie zeige auf glaubwürdige Weise, „wie evangelischer Glaube das Leben eines Menschen und auch der Gesellschaft prägt“. Bünker verwies auf das Thema der diesjährigen Vortragsreihe der „Evangelischen Woche“ in Wien „Friede muss noch werden“, zu dem Käßmann am Montagabend das Eröffnungsreferat hält. Die europäischen Kirchen wollten, so Bünker, „von der Lehre vom gerechten Krieg zu einer Lehre vom gerechten Frieden kommen“.

Auf Journalistenfragen merkte Bünker kritisch an: „Ich vermisse in Österreich die Diskussion über grundlegende ethische Fragen, wie etwa die Frage des Umgangs mit Energie.“ Auch die Evangelische Kirche in Österreich sei immer gegen Atomkraft eingetreten. Überhaupt beschäftige die Kirchen Europas der Umgang mit Energie sehr. Bünker: „Wir gehen auf eine Welternährungskrise zu. Da ist es nicht verantwortlich, für Mobilität Lebensmittel zu verwenden, die im Tank landen.“

ISSN 2222-2464