Kärntner Superintendent kritisiert Bildungspolitik der Regierung

Maßnahmen gegen Gewalt bei Jugendlichen

Villach, 28. September 2005 (epd Ö) – Kritik an der Bildungspolitik der Regierung hat der Kärntner Superintendent Mag. Manfred Sauer geübt. Es sei „sehr bedauerlich, dass alle Schulen gezwungen sind, Werteinheiten zu streichen“, sagte der Superintendent am Mittwoch, 28. September, vor Journalisten in Villach. Auch im Bereich des Religionsunterrichts wurde, so Sauer, durch massive Klassenzusammenlegungen im höheren Schulbereich eklatant gekürzt. Diese Kürzung erschwere deutlich die Arbeit der ReligionslehrerInnen. Außerdem wurden laut Sauer IntegrationslehrerInnen gestrichen, „sodass positive Beziehungsmuster kaum mehr vermittelt werden können“.

„Wer in der Bildungspolitik spart, spart am falschen Platz“, bekräftigte der Superintendent. Qualifizierte und hoch motivierte angehende sowie bereits erfahrene Lehrerinnen und Lehrer sollten „gerade jetzt verstärkt eingesetzt werden, und nicht auf der Arbeitslosenbank sitzen bleiben müssen“, forderte Sauer. Aufgrund der wachsenden Aggression, aber auch aufgrund des steigenden Drucks und der steigenden Erwartungshaltung an die Jugend sollten die Verantwortlichen in der Bildungspolitik dahin gehend wirken, dass die Klassen verkleinert werden. Je intensiver der Kontakt und Austausch zwischen Lehrer und Schüler und je stärker das gegenseitige Vertrauen sei, umso größer könne der Lernerfolg sein. Außerdem gehe es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Vermittlung von tragfähigen Werten und „Herzensbildung“.

Maßnahmen gegen die steigende Gewalt bei Jugendlichen sind auch Schwerpunkte der diözesanen Arbeit, kündigte Sauer an. Verstärkt wollen sich die ReligionslehrerInnen diesem Thema stellen. Noch intensiver als bisher soll versucht werden, auf die persönliche Situation der Jugendlichen einzugehen. Auch in der Jugendarbeit innerhalb der Pfarrgemeinden soll jungen Menschen „mehr Raum“ gegeben werden, so der Superintendent. Jugendliche sollen hier „eine Heimat finden, einen Ort, an dem sie angenommen werden“. Dabei gehe es vor allem darum, dass Jugendliche ihre „Sprachlosigkeit“ überwinden und lernen, Vertrauen zu gewinnen. Es gehe aber auch um die Erfahrung des gemeinsamen Feierns, die dazu führe, dass sich Jugendliche füreinander interessieren und füreinander Zeit nehmen. Sauer wünscht sich, dass Jugendliche stärker aktiv in Gottesdienste mit einbezogen und mit ihnen neue liturgische Formen entwickelt werden.

Zum Thema „Gib mir eine Chance“ soll am 13. Oktober im Evangelischen Gemeindezentrum Villach-Nord ein „Maturantentag“ stattfinden. Konzipiert als Diskussionsforum will der Tag auch Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Erfahrungsaustausch bieten. Sauer: „Wir wollen den Schülerinnen und Schülern, die oft zwölf oder dreizehn Jahre lang Diaspora-Religionsunterricht in Klein- und Kleinstgruppen erlebt haben, wenigstens einmal, kurz vor dem Ende der Schulzeit, die Gelegenheit bieten, sich einen Tag lang in einer größeren Gruppe von Menschen, die den gleichen Glauben haben, mit Glaubensfragen zu beschäftigen und Gemeinschaft zu erleben. Als Referent konnte u.a. der ehemalige Präsident des Jugendgerichtshofes, Dr. Udo Jesionek, gewonnen werden.

Vorgestellt wurde bei der Pressekonferenz auch die neue diözesane Jugendreferentin, Kirsten Kemmerer, die am Samstag, 1. Oktober, in Villach in ihr Amt eingeführt wird.

ISSN 2222-2464