Kärnten: „Ein Geschäft mit Träumen“ am Heunburg Theater

Erstmals in Österreich am Theater zu sehen: Ingeborg Bachmanns "Ein Geschäft mit Träumen" Foto: Walter Pobaschnig
Erstmals in Österreich am Theater zu sehen: Ingeborg Bachmanns "Ein Geschäft mit Träumen" Foto: Walter Pobaschnig

Österreichische Theater-Erstaufführung des Bachmann-Hörspiels

Haimburg (epdÖ) – Freiheit und Verantwortung, das Leitmotto der österreichischen evangelischen Kirchen, wurde im vergangenen Jubiläumsjahr der Reformation in zahlreichen Veranstaltungen und Projekten thematisiert. Einen Blickwechsel zu ganz persönlicher innerer Freiheit und Verantwortung bietet nun das Bühnenstück  „Ein Geschäft mit Träumen“ der evangelischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, welches im Juli am kärntnerischen Heunburg Theater bei Völkermarkt seine österreichische Erstaufführung feierte. Zentrale Fragen dabei: Wie viel Freiheit gebe ich eigentlich meinen Träumen? Wie viel Aufmerksamkeit und Verantwortung haben meine Wünsche in meiner Lebenszeit?

Beeindruckend ist zunächst der Theaterraum selbst, der, in eine Burgruine gebaut, selbst schon Fragen an Dauer und Vergänglichkeit in Geschichte und Wahrheit stellt und so eine kritische Kulisse wie Symbolik für Mensch- und Weltbild ist. Auch das Bühnenbild bringt die Doppelbödigkeit des Lebens zum Ausdruck: Es gibt ein oben und unten. Da sind der Beruf, die Schreibmaschine und das Telefon auf schwerem Mobiliar und darunter ist ein leerer Raum ohne fixe Einrichtung, den ich alleine betrete. Da geht es um meine Träume und Wünsche. Und natürlich meine Zeit dafür. Oder eben nicht. Wie weit wage ich mich persönlich auf meiner Lebensbühne vor? Wie viel Zeit habe, gebe ich?

Hintergründiges Spiel

Die Inszenierung setzt die existentielle Fragestellung Bachmanns nach Mensch, Welt und Wahrheit in psychoanalytischer und gesellschaftskritischer Perspektive im eindringlich dramatischen Szenenwechsel um und lässt das Publikum differenziertem Schauspiel auf höchstem Niveau folgen. Amrei Baumgartl und Martin Mak setzen als Anna und Laurenz eine sprachliche wie körperliche Präsenz in den Raum, die in szenischer Variation und Präzession fesselt wie erstaunt. Ebenso spielen Sandra Pascal und Peter Beck wunderbar hintergründig und geben der Dramatik sehr ausdrucksstarke treffende Konturen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Stückes im Jahr 1952 befindet sich die berufstätige Schriftstellerin Bachmann selbst in der Spannung von Lebenswegoptionen. Im Stück über den Büroangestellten Laurenz und dessen Lebenskonturen reflektiert sie dies. Die psychoanalytische Perspektive im Seelenmodell von Wunschanspruch und Kompromiss wird dabei sichtbar und im späteren Roman „Malina“ expliziter. Die Wahrheit über meine Lebenszeit ist eine tägliche Aufgabe:  „Ich fürchte, ich habe nicht so viel Zeit. Ich werde nicht einmal Zeit für den kleinen Traum haben…“, sagt Laurenz.

Regisseur und Intendant Andreas Ickelsheimer bringt mit der österreichischen Erstaufführung von Ingeborg Bachmanns  „Ein Geschäft mit Träumen“  eine fulminante Selbst- und Zeitreflexion der Moderne auf die Bühne des malerischen Heunburg Theaters in Kärnten.

Informationen zu weiteren Vorstellungen: http://www.heunburgtheater.at

epdÖ/wp

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ISSN 2222-2464