Jutta Binder: Flüchtlinge bringen Perspektivenwechsel

Jutta Binder: "Die Menschen, die kommen, lernen rasch und gut Deutsch, auch durch Begleitung.“ Foto: Diakonie/Nadja Meister
Jutta Binder: "Die Menschen, die kommen, lernen rasch und gut Deutsch, auch durch Begleitung.“ Foto: Diakonie/Nadja Meister

Tiroler Flüchtlingsbeauftragte plädiert für Begegnungsräume

Innsbruck (epdÖ) – „Wir haben in Tirol noch keine Abschiebungen erlebt, aber es ist gut, jetzt schon zu überlegen, wie wir mit Kirchenasyl umgehen. In welcher Situation ist es sinnvoll, wann und unter welchen Umständen sind wir dazu bereit?“, fragt die Leiterin der Evangelischen Fachstelle Ehrenamt für Flüchtlinge in Tirol (EFEF), Jutta Binder. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst und der Kirchenzeitung „SAAT“ kommt Binder dabei auf die Situation von Geflüchteten aus dem mittleren und nahen Osten sowie aus Afrika zu sprechen, die von evangelischen Pfarrgemeinden in dem westlichen Bundesland betreut werden. Die ausgebildete Gemeindepädagogin empfiehlt dabei auch den Blick nach Deutschland. Im Jänner 2018 befanden sich nach Angaben der „Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche“ 531 Flüchtlinge in der Obhut der Kirchen, um vor drohenden Ausweisungen geschützt zu sein. Im März wurde gegen einen evangelischen Pfarrer der pfälzischen Landeskirche Strafbefehl wegen „Beihilfe zum illegalen Aufenthalt“ erlassen (epdÖ berichtete), die Verhandlung ist für Ende April angesetzt.

„Der christliche Auftrag schließt Aufnahme von Fremden mit ein“, so Binder weiter. „Die Gemeinden sind dazu angeregt, Begegnungsräume zu schaffen, Furcht vor Fremden zu thematisieren.“ Sie selbst gehe auch in den Religions- und Konfirmationsunterricht, um Ängste und Vorurteile abzubauen. „Flüchtlinge sind eine Bereicherung, da sie einen erfrischenden Perspektivenwechsel bringen.“

„Keine Parallelstrukturen“

Wovon Binder nichts hält sind Überlegungen, Gottesdienste für Konvertiten oder Konversionswillige vollständig in Herkunftssprachen wie Farsi anzubieten. Es sollten keine „Parallelstrukturen“ entstehen, „aber es ist sinnvoll, Menschen in ihrer Sprache entgegenzukommen. Die Menschen, die kommen, lernen rasch und gut Deutsch, auch durch Begleitung.“

Angesprochen auf die aktuelle Problematik sogenannter „Scheinkonversionen“ meint Binder: „Das ist oft ein Thema bei meinem Besuch in den Presbyterien. Aber: Der Taufunterricht muss ein Jahr dauern und eine bestimmte Anzahl von Unterrichtseinheiten enthalten. Wenn jemand ein Jahr dabei ist, dann ist das auch ernsthaft, dann bleibt auch etwas hängen.“

Die  Evangelische Fachstelle Ehrenamt für Flüchtlinge in Tirol (EFEF) bietet unter anderem Beratung, Begleitung, Förderung, Schulung oder Fortbildung von Ehrenamtlichen im Bereich Flüchtlingsarbeit im Tiroler Teil der Diözese Salzburg-Tirol. Darüber hinaus bietet sie Information und Sensibilisierung zum Themenkreis Flucht/Flüchtlinge im Religions- und Konfirmandenunterricht, in Jugendgruppen, Erwachsenenkreisen oder Pfarrgemeinden.

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ISSN 2222-2464