Jüdische und Evangelische Musikschule in Wien in ihrer Existenz bedroht

Personalsubventionen verweigert – Bildungsministerium reagiert nicht

Wien, 11. Oktober 2005 (epd Ö) – Die evangelische Johann-Sebastian-Bach-Musikschule und die jüdische Jehuda-Halevi-Musikschule kämpfen um ihre Existenz. Wie die Verantwortlichen beider Wiener konfessionellen Privatschulen, der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Hofrat Dr. Avshalom Hodik, der für Schulfragen zuständige lutherische Oberkirchenrat Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker und der Direktor der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule, Dr. Hanns Stekel, am 11. Oktober in einer Pressekonferenz in Wien mitteilten, wurden die Ansuchen um die den Schulen gesetzlich zustehenden Personalsubventionen vom Stadtschulrat für Wien abgelehnt. Die eingebrachte Berufung sei vom Bildungsministerium bisher nicht entschieden worden, obwohl die gesetzliche Frist bereits erheblich überschritten wurde. Ein Schreiben Hodiks und des lutherischen Bischofs Mag. Herwig Sturm wurde ebenfalls nicht beantwortet.

Bei der Pressekonferenz, die mit einem Paganini-Violinstück eingeleitet wurde, gespielt von der jungen Jehuda-Halevi-Musikschülerin Daniela Yampolsky, hob Hodik die große Rolle der Musik für das Judentum hervor. So diene Pflege jüdischer Musik auch der Integration jüdischer Einwanderer aus Osteuropa und Asien.

Gefragt nach den Motiven der ablehnenden Haltung des Stadtschulrats und des Ministeriums äußerte Hodik die Vermutung, es handle sich um Angst vor finanziellen Folgewirkungen. Dazu, so Hodik, bestehe aber kein Anlass, da die beiden Schulen einzigartig seien und kein Interesse hätten, weitere Musikschulen zu gründen. Der Generalsekretär forderte die staatlichen Behörden auf: „Lassen Sie die vielen Talente nicht verwelken!“

„An einer positiven Lösung interessiert“

Die beiden Schulen „auf ein gutes Fundament zu stellen“, dazu lud Oberkirchenrat Bünker die staatlichen Behörden ein. Auch Bünker verwies auf die grundlegende Bedeutung der Musik für den Protestantismus und betonte die Rechtmäßigkeit der Forderung nach Personalsubventionen. „Wir sind“, so das Mitglied der lutherischen Kirchenleitung, „im Interesse der Sache an einer positiven Lösung der Probleme interessiert.“

Auch Direktor Stekel unterstrich, dass die vorgeschriebenen rechtlichen Kriterien für konfessionelle Privatschulen von beiden Schulen erfüllt seien. Zudem hätten die Schulen, die jeweils mehrere hundert Schüler aufweisen, einen hohen volksbildnerischen Wert, da in Wien nur wenige Musikschulplätze zur Verfügung stünden. Stekel wies auch darauf hin, dass die Römisch-katholische Kirche mehrere vergleichbare Lehranstalten betreibe, die alle volle Subventionierung genießen. Das Ausbleiben der Personalsubventionen führte für die Schulen zu wachsenden finanziellen Engpässen, die bisher durch Querfinanzierung seitens anderer privater Schulen gelindert worden seien, was aber auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sei.

ISSN 2222-2464