Jüdische Reformgemeinde holt Rabbinerin nach Wien

Or Chadasch eröffnet zudem eigene Synagoge und Gemeindezentrum

Wien, 18. Februar 2004 (epd Ö) Die in Wien vertretene jüdische Reformgemeinde Or Chadasch holt nach der Rabbinerin Eveline Goodman-Thau, die die kleine Gemeinde ab März 2001 für ein Jahr betreute, mit Irit Shillor (54) nun erneut eine Rabbinerin nach Wien. Shillor – sie besitzt sowohl die britische als auch die israelische Staatsbürgerschaft, stammt aber aus einer ursprünglich österreichischen Familie – wird am Tag der Eröffnung der neuen Synagoge von Or Chadasch, die am 22. Februar stattfindet, inauguriert.

Or Chadasch, Teil der World Union for Progressive Judaism, ist in Wien seit 14 Jahren als kleine organisierte Gemeinde aktiv. Das Reformjudentum blickt in Österreich insgesamt auf keine wirklich ausgeprägte Tradition zurück: Während in Deutschland vor dem Nationalsozialismus Reformer einen wichtigen Teil des religiösen Judentums bildeten, gab es im Österreich der 1930er Jahre lediglich bescheidene Ansätze zur Gründung einer solchen Reformgemeinde. Die am 4. Mai 1990 in Wien gegründete Gemeinde Or Chadasch leistet nach Eigendefinition vor allem einen großen Beitrag zur interreligiösen Verständigung, indem sie Gäste aus verschiedenen Konfessionen einlädt und selbst an interkonfessionellen Begegnungen teilnimmt.

Die Gemeinderäumlichkeiten befinden sich in einem der Israelitischen Kultusgemeinde gehörenden Haus. Sie wurden Or Chadasch ohne Miete zur Verfügung gestellt, heißt es in einer Aussendung. Umgebaut wurde für die neue Synagoge samt Gemeindezentrum eine ehemalige Druckerei im Zweiten Bezirk. Ermöglicht wurde der Umbau auch durch die öffentliche Hand: Der Bund und das Land Wien steuerten jeweils 125.000 Euro bei.

ISSN 2222-2464