Jubiläum 100 Jahre Wilhelm-Dantine-Haus

Konnte über 100 Gäste begrüßen, darunter zwei ehemalige und einen amtierenden Bischof: Heimleiter und Studieninspektor des Wilhelm-Dantine-Hauses Stefan Schumann bei der Eröffnung zum 100-jährigen Bestehen des Studentenheims am 25. Mai. Foto: epd/Uschmann
Konnte über 100 Gäste begrüßen, darunter zwei ehemalige und einen amtierenden Bischof: Heimleiter und Studieninspektor des Wilhelm-Dantine-Hauses Stefan Schumann bei der Eröffnung zum 100-jährigen Bestehen des Studentenheims am 25. Mai. Foto: epd/Uschmann

Bischof Bünker: Die Kirche braucht dieses Haus

Wien (epdÖ) – „Es war eine lange Vorbereitung zu diesem heutigen Fest, und ich freue mich, dass ich heute hier über 100 Besucher und Besucherinnen begrüßen kann“, eröffnete der Heimleiter und Studieninspektor des Wilhelm-Dantine-Hauses Stefan Schumann die Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des Hauses in Wien am Samstag, 25. Mai. Unter den Gästen konnte Schumann unter anderen die ehemaligen Bischöfe Dieter Knall und Herwig Sturm, die beide im Haus gewohnt haben, sowie den amtierenden Bischof Michael Bünker begrüßen, dessen Vater Otto seinerzeit ebenfalls im Haus wohnte. Der Bischof bekannte sich in seinem Grußwort deutlich zum Wilhelm-Dantine-Haus: „Für die Evangelische Kirche A.B. kann ich nur sagen, dass wir froh sein können, dass es dieses Haus gibt. Gerne wollen wir das uns Mögliche tun, damit es – für die heutigen Anforderungen geeignet – noch lange erhalten werden kann.“ So sei es auch gut, dass die Theologen und Theologinnen heute in dem Studentenheim nicht mehr unter sich seien. „Nicht nur die Studierenden, die sich auf den Pfarrberuf vorbereiten, brauchen ein solches Haus. Auch die Kirche braucht es.“

Integration, Toleranz und Demokratie seien oft bemühte Schlagworte, „hier im Wilhelm-Dantine-Haus sind sie verwirklicht, und hier werden sie gelebt“, sagte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seiner Ansprache. Es sei ein Zeichen der Bereicherung, dass er als Landessuperintendent um ein Grußwort aus Sicht der Reformierten Kirche gebeten wurde: „Das zeigt, dass die unterschiedlichen Konfessionen nicht als Ärgernis oder Belastung gesehen werden.“ Die harmonische Atmosphäre und Zusammenarbeit bedeute nicht, dass alles eins und die Unterschiede eingeebnet seien: So könne das Wilhelm-Dantine-Haus ein Ort sein, an dem die Studierenden die anderen Konfessionen besser kennenlernen könnten „und sich mit ihnen auseinandersetzen“.

Reiner: GesprächspartnerInnen und SeelsorgerInnen im Haus

Das Theologiestudium sei nicht irgendein Studium, „wer durch das Studium nicht an die alles entscheidende Gottesfrage gedrängt wird, der hat es nicht wirklich ausgekostet“, begann Oberkirchenrätin Hannelore Reiner, als Personalreferentin der Kirchenleitung auch verantwortlich für das Wilhelm-Dantine-Haus, ihr Grußwort. Genau in dieser Situation brauche es GesprächspartnerInnen und SeelsorgerInnen: „Im Namen aller unserer Gemeinden danke ich allen, die in den letzten 100 Jahren in dieser Weise unsere Theologiestudierenden begleitet haben.“ Auch sei das gemeinsame Lernen die beste Voraussetzung für das Arbeiten in einer Pfarrgemeinde. Reiner, die selbst während ihrer ganzen Studienzeit in Heimen gelebt hat und auch im Wilhelm-Dantine-Haus wohnte: „Ich denke mit Schaudern und Vergnügen zugleich zurück an unsere Übersetzungsübungen. Wir haben zu viert übersetzt, und diese Lerngemeinschaft von damals hat sich längst in eine Lebensfreundschaft verwandelt.“ Auch die Bibliothek im Studentenheim sei wichtig, sie gebe es in keiner Wohngemeinschaft und auch nicht in anderen Studentenheimen. „Wenn Sie mich fragen: Braucht es ein evangelisches Theologenheim?, dann kann ich nur antworten: Ja, unbedingt!“

Festschrift 100 Jahre Wilhelm-Dantine-Haus

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums haben Studieninspektor Schumann und Heimsenior Christoph Stübinger die Festschrift „100 Jahre Wilhelm-Dantine-Haus“ herausgegeben. Stübinger betonte, dass es eine „große Herausforderung gewesen ist, in diesem Buch 100 Jahre Heimleben widerzuspiegeln“. Die Geschichte des Heims müsse aber noch geschrieben werden. Das Schwierigste und die größte Herausforderung bei dem Buch sei die BewohnerInnenliste gewesen: „Diese Liste ist fast vollständig, leider fehlen uns aber einige Jahrgänge, weil hier auch die Aufzeichnungen große Lücken aufweisen.“

Die Festschrift umfasst 186 Seiten mit zahlreichen Illustrationen und ist zum Preis von 18 Euro zu beziehen im Evangelischen Presseverband, .

Nach den Grußworten gab es fünf Gesprächsrunden mit ehemaligen BewohnerInnen, die aus dem Leben im Heim erzählten. Anschließend wurde ein Gottesdienst gefeiert, dann ging das Fest weiter bis in den späten Abend hinein. Am Sonntag stand dann ein Besuch bei der Evangelisch-Theologischen Fakultät mit einem Empfang durch Dekan Christian Danz auf dem Programm.

ISSN 2222-2464