Jäggle: Christlich-jüdische Beziehungen „gut aufgestellt“

Am 17. Jänner feiern die Kirchen den "Tag des Judentums" mit Vorträgen und Gottesdiensten. Foto: wikimedia/Dov Harrington
Am 17. Jänner feiern die Kirchen den "Tag des Judentums" mit Vorträgen und Gottesdiensten. Foto: wikimedia/Dov Harrington

Kirchen feiern am 17. Jänner den „Tag des Judentums“

Wien (epdÖ) – Eine positive Bilanz zur Entwicklung der christlich-jüdischen Beziehungen in Österreich während der vergangenen Monate zieht der Präsident des „Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit“, Martin Jäggle. Die Beziehungen zwischen Christen und Juden im Land seien „gut aufgestellt“, so Jäggle in einer Erklärung aus Anlass des „Tags des Judentums“ in den christlichen Kirchen am 17. Jänner.

Belege dafür seien etwa die im vergangenen November veröffentlichte gemeinsame „klare“ Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz und des Ökumenischen Rates der Kirchen anlässlich des Gedenktags an die Pogrome von 1938, aber auch das reichhaltige Bildungsangebot des Koordinierungsausschusses. Konkret erinnerte Jäggle an das Konzert „Shalom! Music Between Friends“, mit dem die persönliche Beziehung zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen und der jüdischen Gemeinde gestärkt worden sei. Eine interreligiöse Promi-Band aus dem katholischen Abtprimas Notker Wolf, dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg hatte dabei im November vor ausverkauftem Haus im Wiener Theater „Akzent“ musiziert.

„Ohne Judentum kann man nicht Christ sein“

Die Schoah sei zwar der drängende Anlass gewesen, nach dem Krieg die christlich-jüdischen Beziehungen radikal neu zu überdenken und neu zu leben, so Jäggle weiter. Heute gehe es in den Kirchen aber um die Anerkennung und Wertschätzung des Judentums als Teil der christlichen Identität: „Ohne Judentum kann man nicht Christ sein.“ Dabei gelte es, das Judentum dennoch in seiner Andersheit wahrzunehmen und es nicht für die christliche Selbstfindung zu vereinnahmen. „In dieser Spannung stehen wir. Das auszubalancieren ist eine Aufgabe des christlich-jüdischen Dialogs“, sagte der Präsident des Koordinierungsausschusses.

„Rückenwind“ für die christlich-jüdische Zusammenarbeit ortet Jäggle auch aus dem Vatikan unter Papst Franziskus, der im Mai in Israel erwartet wird. In seinem Beitrag in „La Repubbli-ca“ und in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“ habe der Papst besondere Markierungen gesetzt. Auch für Franziskus seien Dialog und persönliche Freundschaft die „tragfähigen Elemente einer guten Beziehung zwischen diesen Bekenntnissen“, meint Jäggle.

Der 17. Jänner wird von den Kirchen Österreichs – aber auch u.a. Italiens, Polens und der Schweiz – als „Tag des Judentums“ begangen. Vorträge und Gottesdienste gibt es dazu in Innsbruck, Salzburg, Linz, St. Pölten, Graz und Wien. Der Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) wird dieses Jahr in der evangelisch-methodistischen Kirche Wien-Fünfhaus gefeiert (19 Uhr; 1150 Wien, Sechshauser Str. 56). Die Predigt hält der Ökumene-Verantwortliche in der Österreichischen Bischofskonferenz, der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer.

Eine Übersicht und Details zu den Veranstaltungen des Koordinierungsausschusses findet sich unter der Internetadresse www.christenundjuden.org.

ISSN 2222-2464