Islam: Integration durch bessere Bildung erhöhen

Konferenz „Islamische Bildung in Südosteuropa“ an der Universität Wien – Bildungswissenschaftler Aslan: Intensivere Vernetzung der islamischen Bildungseinrichtungen als Ziel

Wien (epd Ö) – Eine allgemeine Verbesserung der religiösen Bildung bedeutet zugleich eine Verbesserung der Integrationschancen in ein multireligiöses Europa. So lautete der Tenor einer Konferenz über „Islamische Bildung in Südosteuropa“, die vom 23. bis 25. Oktober an der Universität Wien stattfand. Ziel der Tagung war es, die islamischen Bildungseinrichtungen in Südosteuropa besser zu vernetzen und so zu einem intensiveren Austausch über die Bildung von muslimischen Kindern anzuregen. „Eine europäisch geprägte, religiöse Bildung kann einen Beitrag zur Harmonie zwischen einer islamischen und einer europäischen Identität leisten“, brachte es der islamische Religionspädagoge am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien und Organisator der Konferenz, Prof. Ednan Aslan, in einer Presseaussendung auf den Punkt.
Bei der Eröffnung am Freitag, 23. Oktober, warnte Aslan vor einer „Religion ohne Bildung“, die er als „riskantes und gefährliches Fundament“ bezeichnete. Den Eröffnungsvortrag hielt der Großmufti von Bosnien-Herzegowina, Mustafa Ceric, über den „Beitrag der religiösen Erziehung zum Frieden auf dem Balkan“. Im Anschluss an den Vortrag unternahmen dann 35 hochrangige Wissenschaftler aus dem gesamten südosteuropäischen Raum in drei Sitzungseinheiten eine Bestandsaufnahme zur islamischen Bildung in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Serbien, dem Kosovo, Kroatien, Montenegro sowie in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Slowenien – und Österreich. Über die spezifische Situation in Österreich referierten der Wiener Ordinarius für Religionsrecht, Prof. Richard Potz, sowie Zekirija Sejdini, Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht. Laut Aslan sei eine Vernetzung der islamischen Bildungseinrichtungen im südosteuropäischen Raum dringend notwendig, um den Bildungsstand der Muslime weiter zu erhöhen und so eine „theoretische Grundlage“ zu erarbeiten, „um über Traditionen, die sich mit modernen Werten wie Menschenrechten, Pluralismus und Demokratie nicht vereinbaren lassen, kritisch zu reflektieren“.

Veranstaltet wurde die Konferenz gemeinsam vom Institut für Bildungswissenschaft, vom Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht an der Universität Wien, vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, der „Österreich Kooperation“ sowie der „Österreichischen Kulturvereinigung“.
Islamischer Religionsunterricht: Vorbild Österreich
Im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Presse“ (Ausgabe vom 23. Oktober) hat Aslan die „Vorbildfunktion“ Österreichs in Fragen des islamischen Religionsunterrichts unterstrichen. „Wir haben eine Infrastruktur, die uns die freie Auseinandersetzung mit diesen Themen ermöglicht“, betonte der Religionspädagoge. In anderen Ländern gebe es hingegen noch Probleme, den Unterricht lebensnäher zu gestalten. Dort werde noch überwiegend textorientiert gearbeitet, wie es etwa auch in den Moscheen üblich sei. Dennoch gebe es auch für Österreich noch einiges zu lernen, unterstrich Aslan. So werde etwa in Sarajevo ein interreligiöser Religionsunterricht als Projekt angeboten. Ähnlich könne man aus den Erfahrungen der bosnischen Muslime mit dem multireligiösen Zusammenleben im ehemaligen Jugoslawien lernen, sagte Aslan.

ISSN 2222-2464