Interreligiöses Kipferlessen am Gipfelkreuz

Christlich-muslimische Bergwanderung im Wienerwald

Neuhaus (epd Ö) „Bei der gemeinsamen Besteigung des Peilsteins haben sich Mitglieder des Österreichischen Alpenvereins und der Plattform Christen und Muslime davon überzeugen können, dass sich das Kreuz auf dem Berggipfel keineswegs in ein Bergkipfel verwandelt hat, dass aber Kipferln für einen interreligiösen Imbiss bestens geeignet sind.“ So heißt es in einer Urkunde, die jedem der rund 40 TeilnehmerInnen bestätigt, an dem „Kipferlsturm“ auf den 716 Meter hohen Kalkberg im Wienerwald teilgenommen zu haben, zu dem die beiden Organisationen sowie die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen am 21. Juni geladen haben.

Anlass für die interreligiöse Bergwanderung war die seinerzeitige Beschuldigung des BZÖ-Vorsitzenden Peter Westenthaler gegenüber österreichischen Muslimen und dem Österreichischen Alpenverein, Gipfelkreuze abmontieren und stattdessen Halbmonde aufstellen zu wollen. Die Anschuldigungen beruhten auf einem von einer Künstlergruppe gefälschten Briefwechsel.

Die Wanderung, die mit Lesungen aus dem Koran, dem Alten Testament sowie aus meditativen Texten islamischer und christlicher Herkunft unterbrochen war, endete mit einem muslimisch-christlichen „Kipferlessen“ am Gipfelkreuz des Peilstein.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Prof. Anas Schakfeh erklärte am Gipfelkreuz: „Wir österreichischen Muslime sind Bürger eines der schönsten Länder Europas und wollen niemanden verdrängen oder ersetzen. Und wir wollen, dass auch kommende Generationen hier glücklich sind.“

Schakfeh: „Für mich ist ein Kreuz nichts Ungewöhnliches.“

Im Blick auf das Kreuz verwies der Präsident auf die religiöse Situation in seinem Geburtsland Syrien und erklärte: „Für mich ist ein Kreuz nichts Ungewöhnliches. Kreuze sind Religionszeichen von MitbürgerInnen.“ Unterschiede zwischen den Religionen seien nicht zu verwischen, dennoch hätten alle Religionen einen Wahrheitsgehalt. „Wirkliche Religionen sind für die Menschen da“, betonte Schakfeh.

Der Publizist Prof. Heinz Nussbaumer von der Plattform Christen und Muslime sagte, die christlich-muslimische Bergwanderung habe die Botschaft des „gemeinsamen Unterwegsseins unter einem Himmel“. Grußworte sprachen auch der Wiener Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Dipl. Ing. Omar Al-Rawi sowie der Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins Dr. Andreas Ermacora. Im Anschluss lud der Alpenverein die TeilnehmerInnen zu einem Mittagessen in das Peilsteinhaus nahe dem Berggipfel.

Musikalisch gestaltete das von dem österreichischen Publizisten Prof. Dr. Peter Pawlowsky mitorganisierte Treffen das Ensemble Bard.Allah mit dem Musikpädagogen Gernot Galib Stanfel.

ISSN 2222-2464