Interreligiöser Dialog Graz will zukunftsweisenden Entwurf

Graz ist Schauplatz der interreligiösen Konferenz zum friedlichen Zusammenleben der Religionen in Europa. (Foto: Wikipedia)
Graz ist Schauplatz der interreligiösen Konferenz zum friedlichen Zusammenleben der Religionen in Europa. (Foto: Wikipedia)

Bischof Bünker: Einfache, schlichte Taten im Einsatz für Gerechtigkeit

Graz (epdÖ) – „ComUnity Spirit“, die bis Samstag dauernde interreligiöse Konferenz in Graz im Geist der großen Ökumeneversammlung von 1997, ist am Mittwochabend, 17. Juli, mit einer Podiumsdiskussion eröffnet worden. Es sei wichtig, die Verschiedenheiten der Religionen wahrzunehmen, gleichzeitig aber jeden Menschen als gleichwertig mit der gleichen Würde anzuerkennen, lautete der Tenor der Diskussion. Am Podium saßen neben dem evangelischen Bischof Michael Bünker und dem Grazer römisch-katholischen Diözesanbischof Egon Kapellari weitere hochrangige Vertreter der österreichischen Religionsgemeinschaften.

Bünker wies darauf hin, dass vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen und Konflikte Begegnungen etwa mit den Grazer muslimischen Studenten nicht auf kultureller Ebene steckenbleiben dürften. Kultur sei „eine Höflichkeitsform in der Gesellschaft“. Nötig sei aber eine Begegnung darüber hinaus auf der Ebene des Helfens und der Gerechtigkeit, und das sei Geschäft der Religionen. Als Religionsgemeinschaften in Österreich und Europa sei man zu einfachen, schlichten Taten aufgefordert im Einsatz für Gerechtigkeit, so Bünker.

Kapellari hob im Rahmen der Diskussion die Wichtigkeit des Afro-Asiatischen Instituts, das die Konferenz im Auftrag der Stadt Graz organisiert hatte, für den interreligiösen Dialog hervor. Der Bischof, der das Institut 20 Jahre lang leitete, beschrieb das Forum bildhaft als „ein Foyer, wo jeden Tag Christen katholisch und evangelisch, Muslime und auch Juden einander begegnen“. Es sei wichtig, miteinander in Kontakt zu bleiben. Man müsse die eigene Identität vorher aber kennen, „um die Türen und Fenster nach außen offen zu halten“.

Jede Religion habe ihre eigene Wahrheit, diese Tatsache müsse man anerkennen, betonte auch der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz, Luka Girardi. Das sei Voraussetzung für eine offene Gesellschaft. Der orthodoxe Metropolit von Österreich, Erzbischof Arsenios Kardamakis, unterstrich, dass die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit die Menschen vor eine gemeinsame Aufgabe stellten, die nur in Solidarität miteinander gelöst werden können. Deshalb habe ein Europa ohne Solidarität keine Zukunft. Gelingen könne eine solche Zusammenarbeit nur durch beständigen Dialog.

Die Wichtigkeit des Dialogs und des gegenseitigen Respekts hob auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) in Österreich, Fuat Sanac, hervor. In einer Metapher verglich er Religionen und Menschen mit Blumen: Jede hätte einen eigenen Duft und eine eigene Farbe, und trotzdem seien sie bei allen Unterschieden gleich. „Wir müssen alle so respektieren und annehmen wie sie sind“, sagte Sanac.

Die Stadt Graz veranstaltet im Juli 2013 die Interreligiöse Konferenz zum friedlichen Zusammenleben der Religionen in Europa. In dieser Konferenz sollen alle in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften vertreten sein und gemeinsam die Grazer Botschaft zum friedlichen Zusammenleben der Religionen erarbeiten. Die Grazer Botschaft soll weit über die Konferenz und Graz hinaus Wirkung zeigen und als zukunftsweisender Entwurf breite Anerkennung finden. Die Grazer Erklärung versteht sich damit als eine sinnvolle Orientierungshilfe für Religionsgemeinschaften, Institutionen und Kommunen.

ISSN 2222-2464