Frauentag: Frauen vermehrt von Armut betroffen

Diama Hassimi von der Gruppe Farha trennt bei der Reisernte in Goungo Bon (Niger) den Spreu von den Reiskörnern. (Foto: Christoph Püschner/Brot für die Welt)
Diama Hassimi von der Gruppe Farha trennt bei der Reisernte in Goungo Bon (Niger) den Spreu von den Reiskörnern. (Foto: Christoph Püschner/Brot für die Welt)

Hilfsorganisationen fordern bessere Unterstützung von Frauen

Wien/Gallneukirchen (epdÖ) – Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März machen österreichische Hilfsorganisationen auf die schwierige Lage von Frauen und auf die Herausforderungen österreichischer Frauenpolitik aufmerksam.

„Weltweit ist jeder zwölfte Mann mangelernährt, bei den Frauen und Mädchen ist es aber schon jede fünfte“, betont Dagmar Lassmann, Leiterin von „Brot für die Welt“. „Und das, obwohl es weltweit vor allem Frauen sind, die die Ernährung in den Familien sicherstellen. Und auch in der Nahrungsproduktion sind es Frauen, die 80 Prozent der Grundnahrungsmittel produzieren.“ Dabei bräuchten gerade Frauen, die einen großen Teil der kleinbäuerlichen Arbeit leisten, viel Kraft und Energie. Fehle es an bestimmten essentiellen Nährstoffen wie Eisen, Jod und Vitaminen, gehe das allzu schnell zu Lasten der Gesundheit.

Bei kritischer Ernährungslage der Familie seien es meist die Mütter, die dafür sorgen, dass ihre Kinder essen, bevor sie selbst Nahrung zu sich nehmen. Zudem wird in einigen Ländern Mädchen von Geburt an ein niedriger sozialer Status zugewiesen. „Frauen essen deshalb oft nach den Männern und Buben – und sie essen das, was übrigbleibt“, erklärt Lassman. Somit essen sie nicht nur weniger, sondern auch mindere Qualität, wie Untersuchungen aus Äthiopien, Kambodscha, Pakistan und Bangladesch belegen. „Nur wenn die Rechte der Frauen auf Nahrung, Gesundheit und Landbesitz gewahrt werden, kann der Mangelernährung von Frauen langfristig entgegengewirkt werden“, sagt Lassmann.

Doch auch in Österreich seien Frauen vermehrt von Armut betroffen, und es herrsche politischer Handlungsbedarf. Im Kontext der aktuellen Debatte rund um die Mindestsicherung werde die benachteiligte Rolle der Frau in der Gesellschaft wieder ein Stück sichtbarer, so das Diakoniewerk Gallneukirchen. Zur Arbeit gehen, Kinder betreuen, Angehörige im Alter pflegen und begleiten – all das hätten Frauen oft alleine zu bewerkstelligen, zeigten nicht nur die Statistiken auf, sondern erlebe man als Abbild unserer Gesellschaft. Frauen seien damit stärker armutsgefährdet, da sie nicht Vollzeit arbeiten könnten.

„Sehr vieles hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte geändert, doch die Zuschreibung traditioneller Rollenmuster zeigt noch immer ihre Wirkung. Frauen leisten unbezahlte Arbeit, die ihnen keine eigene ausreichende soziale Absicherung bietet. Die wertvolle Arbeit, die Frauen für die Gesellschaft und letztlich für den sozialen Frieden leisten, muss aufgewertet werden und gesellschaftliche Anerkennung finden“, unterstreicht Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerks.

Der österreichische Sozialstaat sei stark mit dem Erwerbsarbeitsmarkt verbunden und er gehe noch immer von einem Ernährermodell aus, also von jenem „alten Familien- und Rollenmodell“, in dem Männer für das Einkommen des Haushalts sorgen und Frauen maximal „dazuverdienen“. Für viele Menschen stimme dieses Modell nicht mehr, und für viele habe es ohnehin nie richtig gestimmt, weil sowohl Mann als auch Frau Geld verdienen müssen, um die Familie durchzubringen. Der Großteil der MindestsicherungsbezieherInnenseien damit auch Frauen, die nicht ganztägig ihrem Job nachgehen können und damit mit ihrem Einkommen kein Auslangen finden.„Es ist paradox, dass Frauen, die zum Funktionieren des Gemeinwohls unverhältnismäßig viel leisten, nach wie vor in großer Zahl zu den Verliererinnen unserer Gesellschaft gehören“, kritisiert Rektorin Schrauf.

ISSN 2222-2464