Internationale Ökumene-Tagung in Innsbruck

An der Universität Innsbruck trafen sich Vertreterinnen und Vertreter christlicher Kirchen, um aktuelle Fragen der Ökumene zu behandeln (Foto: www.wikimedia.org/NewYorkNewYork)
An der Universität Innsbruck trafen sich Vertreterinnen und Vertreter christlicher Kirchen, um aktuelle Fragen der Ökumene zu behandeln (Foto: www.wikimedia.org/NewYorkNewYork)

Superintendentin Müller: Sozialwort wieder stärker in den Blick nehmen

Bei einer großen internationalen Ökumene-Tagung in Innsbruck hat die Superintendentin der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol dazu aufgerufen, das Ökumenische Sozialwort wieder stärker in den Blick zu nehmen. Die Kirchen müssten in sozialen Herausforderungen noch viel intensiver zusammenarbeiten, sagte Müller. Als „vorbildlich“ bezeichnete die Superintendentin die Zusammenarbeit in der ökumenisch getragenen Telefon- und Notfallseelsorge. Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der kirchenrechtlichen Tagung, die am Mittwoch, 15. Februar, zu Ende ging, berichtete Müller von der Schwierigkeit der kleinen evangelischen Minderheit im „katholischen Tirol“, die eigene Identität zu bewahren und das eigene Profil nach außen hin zu zeigen.

Für stärkere Konkretionen der Charta Oecumenica sprach sich Ministerialrat Karl Schwarz vom Kultusamt aus. Die Kirchen seien sich der gemeinsamen Verantwortung für das 2001 verabschiedete Regelwerk für das Miteinander von Mehrheits- und Minderheitskirchen bewusst. Doch lasse der Text die Situation der Ökumene in Ost- und Südosteuropa außer Acht, ebenso seien der „normative Anspruch“ der Charta und konkrete Ziele der ökumenischen Bewegung ungeklärt, merkte der evangelische Kirchenrechtler kritisch an. Das gemeinsame Ökumene-Dokument verdanke sich letztlich der europäischen Integration, die Charta wolle „vielleicht auch als ein Instrument zur Neuevangelisierung Europas“ verstanden werden, führte Schwarz weiter aus. Während ihr „innovativer Wert“ weithin anerkannt sei, werde der juristische Rahmen oft kritisiert, da die angestrebte Selbstverpflichtung der Kirchen „normativ kaum erfasst“ werden kann. Noch einzufordernde Konkretionen sieht Schwarz etwa bei konfessionsverschiedenen Ehen im vom katholischen Ehepartner geforderten „Erziehungsrevers“, um die Erlaubnis zur Ehe zu erhalten. Insbesondere für Minderheitskirchen zeige der institutionelle Druck einseitigen Versprechenmüssens fatale Folgen mit gravierenden demographischen Auswirkungen. Auch im Hinblick auf die in der Charta angesprochene Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit stelle sich die Frage, ob das geforderte Versprechen zur römisch-katholischen Kindererziehung „noch angemessen“ sei.

Vor „Schnellschüssen“ in der Ökumene hat bei der Tagung der Innsbrucker römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer gewarnt. Die sichtbare und erfahrbare Einheit der Kirchen dürfe als Ziel der Ökumene nicht aufgegeben werden. Diese Einheit müsse sich im gemeinsamen Glaubenszeugnis, im gemeinsamen Kirchen- und Sakramentverständnis konkretisieren, so Scheuer. Unzufrieden zeigte sich Scheuer in seinem Vortrag mit Unstimmigkeiten zwischen den Kirchen in ethischen Fragestellungen, wo es – wie z.B. bei der Embryonenforschung – zum Teil unterschiedliche kirchliche Standpunkte gebe. Der Bischof warnte vor „Fliehkräften“, die die Kirchen auseinanderdriften ließen. Ähnlich argumentierte auch der  Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen: Kardinal Kurt Koch mahnte ein, dass die Kirchen in ethischen Fragen „endlich mit einer Stimme“ sprechen müssten. Nach Koch gelte dies auch für die Bereiche von Ehe und Familie oder für das Thema Homosexualität. Kritisch merkte der Kardinal an, dass das Ziel der ökumenischen Bewegung undeutlicher geworden sei. Vor allem die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen hätten die ursprüngliche Zielvorstellung der sichtbaren Einheit im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und kirchlichen Ämtern immer mehr aufgegeben, so der vatikanische „Ökumeneminister“.

ISSN 2222-2464