Internationale Gedenkfeier im ehemaligen KZ Mauthausen

Zu einer internationalen Gedenkfeier versammelten sich rund 10.000 Menschen im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (Foto: P.H. Louw/commons.wikimedia.org)
Zu einer internationalen Gedenkfeier versammelten sich rund 10.000 Menschen im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (Foto: P.H. Louw/commons.wikimedia.org)

SI Lehner: Gott ruft uns auf, für unsere Mitmenschen Sorge zu tragen

Mauthausen (epdÖ) – „Die Bewegung des Krieges und die Bewegung der Konzentrationslager waren Bewegungen des Hasses, der skrupellosen Durchsetzung des Eigenen, der konsequenten Negation des Anderen in allen seinen Gestalten“, betonte Oberösterreichs Superintendent Gerold Lehner beim ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der internationalen Gedenkfeier anlässlich der Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen am 13. Mai 1945.

Der Ort Mauthausen sei ein „schwarzes Loch“, so Lehner. Einerseits, weil er vielen Menschen Angst eingeflößt habe, andererseits, weil viele sich nicht mit der Vergangenheit dieses Ortes auseinandersetzen wollten. „Lange Zeit waren diese schwarzen Löcher auch solche im Gedächtnis: dunkle Orte, deren Existenz man nicht zur Kenntnis nehmen wollte, dunkle Orte, deren Begehung man mied.“ Bezugnehmend auf Worte des Propheten Jesaja erinnerte Lehner in seiner Predigt in Mauthausen daran, dass alle Menschen Schwestern und Brüder seien und Gott uns dazu aufrufe, für unsere Mitmenschen Sorge zu tragen.   Wenn Christen in Mauthausen die Befreiung feiern, dann verbindet sich das heute mit der Warnung vor jenem Gedankengut, das Menschen ausgrenzt und ihre Würde verspottet, erklärte der Generalsekretär der römisch-katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka. Am ökumenischen Gottesdienst in der Lagerkapelle nahm erstmals auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis teil.

Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), Willi Mernyi, erinnerte zum heurigen Schwerpunkt, der Verfolgung und Ermordung aus rassistischen Gründen, daran, dass im KZ Mauthausen mindestens 15.000 Juden und Hunderte Roma und Sinti ermordet wurden. Dazu kämen noch die Tausenden Toten der Todesmärsche ungarischer Juden, die im Frühjahr 1945 auf dem Weg nach Mauthausen beziehungsweise nach Gunskirchen starben. Ihre Zahl habe nie vollständig erfasst werden können. Auch heute noch würden Menschen rassistisch verfolgt und getötet, sagte Mernyi und übte Kritik am Aufmarsch der „alten Ewiggestrigen“ am Heldenplatz am vergangenen 8. Mai.  Bei der Gedenkfeier hielten ein aus Polen stammender Überlebender des KZ Ebensee, ein russisches Mitglied des Internationalen Mauthausen Komitees und Jenny Mendel, die Enkeltochter des deutschen KZ-Überlebenden Johannes Müller, kurze Reden.

Zu der Feier kamen nach Angaben der Organisatoren Botschafter und hochrangige Vertreter aus etwa 50 Ländern. Österreich war vertreten durch Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und andere RepräsentantInnen der Bundesregierung, des Nationalrates und anderer öffentlicher Vertretungskörper. Laut offiziellen Schätzungen nahmen rund 10.000 Personen an der Veranstaltung teil.

ISSN 2222-2464