Innsbruck: Synagoge feiert 25-jähriges Bestehen

Für Superintendent Dantine ein Zeichen der Hoffnung: das 25-jährige Bestehen der Synagoge in Innsbruck. Foto: IKG Innsbruck
Für Superintendent Dantine ein Zeichen der Hoffnung: das 25-jährige Bestehen der Synagoge in Innsbruck. Foto: IKG Innsbruck

Dantine: „Judentum wesentlicher Teil unserer Geschichte“

Innsbruck (epdÖ) –Seit 25 Jahren besteht die Synagoge in Innsbruck. Aus Anlass des Jubiläums lud die Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg am Mittwoch, 21. März, zur Feier ins Innsbrucker Israelitische Kulturzentrum. Ein Grußwort sprach dabei auch der Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine. Dantine bezeichnete die Synagoge als „Zeichen der Hoffnung“ nach den „bedrückenden Erinnerungen an die Ereignisse vom März 1938“. Damals war der Einmarsch der Nationalsozialisten von einer Mehrheit der ÖsterreicherInnen begrüßt worden.

Dantine: Klar von Luthers Antisemitismus distanziert

Dantine erinnerte auch an historische Verfehlungen der Kirchen gegenüber dem Judentum: „Zu all den Feindseligkeiten, Diskriminierungen, Verfolgungen und dem Versuch der völligen Auslöschung des Judentums gehört auch das Unsichtbar-Machen des Judentums. Dies betrifft auch christliche Theologie und Predigt, in denen lange Zeit das Judentum nur in einer Gegnerschaft zu Jesus gesehen wurde.“  Damit müssten sich Kirchen noch heute auseinandersetzen. Nicht zuletzt im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 habe sich die Evangelische Kirche stark mit dem Antisemitismus Martin Luthers auseinandergesetzt und sich klar davon distanziert. Dantine betonte, es sei wichtig, „dass das Judentum als wesentlicher Teil unserer Geschichte sichtbar ist und bleibt.“

Abendegebt und Predigt der Feier leitete der ehemalige Oberrabbiner der Wiener Kultusgemeinde Paul Chaim Eisenberg. Grußworte kamen auch von Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsident Herwig van Staa, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Generalvikar Florian Huber, Gerhard Egger, Bischof der Kirche Jesu Christi HLT, und Michael Prachensky, Architekt der Synagoge.

Geschichte der Tiroler JüdInnen reicht weit zurück

Die jüdische Gemeinde in Tirol blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erste JüdInnen kamen im 13. Jahrhundert ins Land, seit 1617 bestand die Gemeinde in Hohenems. Ab 1880 bildete sich auch in Innsbruck eine kleine Gemeinde. In der Reichspogromnacht vom im November 1938 wurde in Innsbruck der Großteil des Vorstandes der Kultusgemeinde von SS-Männern in Zivil ermordet, der Betraum in der Sillgasse – dem Standort der heutigen Synagoge – wurde zerstört. Die meisten Jüdinnen und Juden mussten Tirol und Vorarlberg verlassen. 1952 erfolgte die offizielle Gründung der Kultusgemeinde, 1991 kam es zur Grundsteinlegung der neuen Synagoge in der Sillgasse, die 1993 eröffnet wurde. Heute hat die Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg etwa 160 Mitglieder.

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ISSN 2222-2464