„Mutternacht“ fordert mehr Einsatz gegen Gewalt an Frauen

Psychologische und rechtliche Beratung für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen bietet die Organisation "MIRIAM", Projektpartnerin von Brot für die Welt in Nicaragua. Foto: MIRIAM
Psychologische und rechtliche Beratung für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen bietet die Organisation "MIRIAM", Projektpartnerin von Brot für die Welt in Nicaragua. Foto: MIRIAM

Appell an Bundesregierung: EZA-Gelder erhöhen

Wien (epdÖ) – Ursachen, Formen und Folgen der weltweiten Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt die Initiative „Mutternacht“ anlässlich des bevorstehenden Muttertags in den Blick. Am Montag, 7. Mai, schilderten Vertreterinnen der in der Initiative versammelten Organisationen die Problemlage, stellten beispielhafte Projekte vor und formulierten Forderungen an die Bundesregierung, sich des Themas auf nationaler und internationaler Ebene anzunehmen. „Die Mittel für österreichische Entwicklungszusammenarbeit müssen steigen“, so die Nationalratsabgeordnete Petra Bayr (SPÖ). „Momentan liegt sie bei 0,3 Prozent und die Entwicklung geht zurück. Wir wollen, dass Entwicklungsgelder in den am wenigsten entwickelten Ländern und insbesondere für Frauen, Kinder, Indigene und andere sehr verletzbare Gruppen eingesetzt werden.“ Zudem müsse es auch in Österreich mehr Geld für Einrichtungen geben. Strukturelle, psychische und körperliche Gewalt sei ein globales Thema, würde aber zu wenig thematisiert. Weltweit habe jede dritte Frau bereits körperliche Gewalt erfahren, in Krisen- und Konfliktgebieten sind es mehr als 70 Prozent. Nur jede zehnte Betroffene wendet sich an die Polizei.

Jennifer Bose: Frauen nicht nur als Opfer sehen

„Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte sind Herde für Gewalt gegen Frauen; im Krieg wird sexualisierte Gewalt oft als Waffe benutzt, um Frauen zu erniedrigen, zu terrorisieren“, erklärte Jennifer Bose, Nothilfe-Mitarbeiterin bei CARE und in vielen Krisengebieten im Einsatz. Sie unterstrich auch die langfristigen seelischen Folgen von Gewalt und betonte, dass es keine klare Verteilung von Täter- und Opferrollen gebe: „Männer werden oft zwangsrekrutiert, um Gewalt gegen Frauen auszuüben. Das führt zu Traumata, bei den Opfern, aber auch bei den Tätern, die dazu gezwungen werden.“ Frauen dürften zudem nicht nur als Opfer, sondern müssten auch als Akteurinnen angesehen werden: „Sie müssen aktiv am Friedensprozess teilnehmen, weil sie wichtige Pfeiler der Gesellschaft sind.“

Aleksandra Kolodziejczyk: Jede zweite Frau in Nicaragua von häuslicher Gewalt betroffen

Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin bei Brot für die Welt, berichtete über die Situation in Nicaragua, dem zweitärmsten Land Lateinamerikas. Dort nehme die Zahl der Feminzide – der Morde an Frauen, die nur auf Grund von Hass auf ihr Geschlecht verübt werden – stetig zu; bis Ende März habe es 2018 bereits 17 solcher Fälle gegeben. In Bezug auf Gewalt gebe es „keine offiziellen Zahlen, nur Schätzungen.“ Es sei aber davon auszugehen, dass jede zweite Frau in Nicaragua von häuslicher Gewalt betroffen ist, jede vierte schon einmal sexuell missbraucht wurde. Das Land habe zudem eine der höchsten Raten von Teenagerschwangerschaften, die oft zu Schulabbrüchen führten, die Polizei schaue bei Vergewaltigungen oft weg. Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation „MIRIAM“ bietet Brot für die Welt psychologische Beratung und Rechtsberatung für betroffene Frauen und Mädchen und leistet Aufklärungsarbeit, da Gewalt gesamtgesellschaftlich häufig als normal wahrgenommen werde.

Andrea Brem:  Schwerpunkt der Gewaltarbeit auf Prävention legen

Die Situation in Österreich skizzierte Andrea Brem, Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, die 2018 ihr 40-jähriges Bestehen feiern. In diesen 40 Jahren habe sich viel getan, dennoch sei auch noch vieles klar verbesserungswürdig. So sei zum Beispiel das Thema der gemeinsamen Obsorge für die Kinder nach Trennungen auf Grund von Gewalt in der Beziehung weiterhin brisant; auch seien Frauen aus dem Ausland in ihrem Aufenthaltsstatus schlechter gestellt als ihre Männer, was zu Abhängigkeiten und Hemmungen führe, Gewalt zu melden oder den Partner zu verlassen. Auch die auf Grund des Föderalismus unterschiedlichen Länderbestimmungen für Frauenhäuser gehörten vereinheitlicht. „Ein besonderer Schwerpunkt in der Gewaltarbeit muss zudem in der Prävention liegen. Das Thema häusliche Gewalt muss im Schulunterricht aufgegriffen werden.“ Hier sollten einerseits außerschulische ExpertInnen zugeschaltet, aber auch PädagogInnen besser ausgebildet werden.

Die Plattform „Mutternacht“, der verschiedene Organisationen wie die Evangelische Frauenarbeit oder Brot für die Welt angehören, setzt sich für die Senkung der Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern ein. Die Initiative knüpft dabei an Ziel 3 der UN-Agenda 2030 an, demzufolge die Rate der Müttersterblichkeit bis 2030 weltweit auf 70 je 100.000 Lebendgeburten gesenkt werden soll. 2015 lag die Rate laut Zahlen der Vereinten Nationen bei 216, damit sterben täglich 830 Frauen an Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt. Weitere Informationen: www.mutternacht.at

 

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ISSN 2222-2464