Initiative aus Kirche, Kultur, Wirtschaft und NGOs fordert Kurswechsel in Politik

Bischof Bünker mit Teilnehmern von "Machen wir uns stark"
Bischof Bünker mit Teilnehmern von "Machen wir uns stark"

„Machen wir uns stark“ – Kundgebung, Manifestation und Konzert am 18. September am Heldenplatz – Bünker: Bildung ist Schlüssel zur Integration – Willi Resetarits: „Auseinanderdividieren beenden“

Wien (epdÖ) – Unter dem Motto „Machen wir uns stark“ fordert eine Initiative mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Kultur, Wirtschaft und NGOs ein Umdenken in der Politik. Das „Auseinanderdividieren“ müsse endlich beendet werden, sagte Willi Resetarits bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, 22. April, in Wien, in der ein Personenkomitee vorgestellt wurde. Neben Resetarits gehören zu den Proponentinnen und Proponenten der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, die Journalistin Ania Haar, der Weinbauer Gernot Heinrich, die Filmemacherin Nina Kusturica, Judith Pühringer (Dachverband soziale Unternehmen), Philipp Sonderegger von SOS Mitmensch, der Unternehmer Hans Staud, der Autor Ilija Trojanow und der Musiker Titus Vadon (Russkaja).

Am 18. September sollen am Wiener Heldenplatz eine Willenskundgebung und ein Konzert stattfinden, kündigte Resetarits an. Tausende Unterstützerinnen und Unterstützer könnten einen „machtvollen Ruck“ in der Politik auslösen. Über die Website www.machen-wir-uns-stark.at/ ruft die Initiative zur Beteiligung auf und hofft, so auch die Finanzierung sicherzustellen: „Wir brauchen 3333 Personen, die 15 Euro spenden“, erklärte Philipp Sonderegger. Mit den 50.000 Euro könne dann eine „große, von Parteien unabhängige“ Kundgebung organisiert werden. Neben einem Kurswechsel in der Asyl- und Fremdenpolitik fordert die Plattform eine „mutige Bildungspolitik“, die die Vielfalt der Menschen anerkennt, eine gerechtere Verteilung des Wohlstands und das „entschlossene Eintreten für eine demokratische Öffentlichkeit“.

Willi Resetarits, Ehrenvorsitzender des Integrationshauses, meinte auf die Frage nach einem konkreten Anlass, bei der Beobachtung einiger Aspekte der Innenpolitik „kann ich gar nicht so viel essen, wie ich speiben möcht'“, er verspüre „großen Zorn“. Es gehe längst nicht nur um die „Inländer-Ausländer-Frage“, vielmehr müsse die soziale Situation in den Blickpunkt rücken. Deshalb wolle man „Kräfte bündeln“, um Österreich „besser zu machen“. Man rechne damit, dass Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende mit der derzeitigen Situation im Land unzufrieden seien, meinte Philipp Sonderegger von SOS Mitmensch. Die Aktion richte sich nicht gegen eine bestimmte Partei, „Zauderer, Zyniker und Zündler“ gebe es in vielen.

Für den evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker ist ein besseres Bildungssystem der Schlüssel für Integration und Armutsbekämpfung: „Durch Bildung lernen Menschen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, sagte der Bischof. Mit Integration müsse möglichst früh begonnen werden. Auch sei die Frage der Bildung eng verknüpft mit der Armutsbekämpfung: „Armut wird vererbt.“

Die „schweigende Mehrheit“ müsse sich „erinnern, dass sie eine Stimme hat“, betonte Ilija Trojanow. Momentan werde den Bürgern weisgemacht, dass Menschen- und Grundrechte eine Schwäche der Gesellschaft seien, was ein „fataler Irrtum“ sei. Die Schwächsten auszugrenzen schade der gesamten Gesellschaft, warnte der Autor.

Nina Kusturicas Film „Little Alien“ läuft derzeit in den Kinos. Darin porträtiert die Regisseurin, die selbst in den 90er Jahren aus Sarajevo nach Österreich geflüchtet ist, minderjährige Flüchtlinge. „Es ist erschreckend, welche Bilder Politik und Medien in unsere Köpfe einpflanzen“, sagte Kusturica. Auf der persönlichen Ebene habe sie immer viel Hilfsbereitschaft erlebt. Weil die Politik, um Wählerstimmen zu maximieren, hier „gegen die Menschen“ arbeite, sei es dringend geboten, „sich offen einzusetzen für Menschen, die Unterstützung brauchen“.

ISSN 2222-2464