Im zukünftigen Europa bringen Kirchen ihre Werte im Austausch mit anderen ein

Bünker: „Es geht nicht um die Wiederherstellung eines christlichen Abendlandes“

Villach (epd Ö) – „Für evangelisches Verständnis geht es nicht um die Wiederherstellung eines christlichen Abendlandes.“ Das sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einem Vortrag über den Beitrag der Kirchen zum zusammenwachsenden Europa am 26. November im Villacher Rathaus. Bei dem Informations- und Diskussionsabend, zu dem das Europahaus Klagenfurt geladen hatte, erklärte der Bischof, Verheißung habe Europa nur, wenn es zu einem Aufbruch führe, „bei dem nicht irgendeine vergangene Realität, und sei sie noch so respektabel, die leitende Vision darstellt“.

Europa sei einerseits zu definieren durch seine von Religionskriegen, zwei Weltkriegen, dem Holocaust und den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts geprägte Geschichte, davon sei andererseits das „zukünftige Europa“ zu unterscheiden. Dieses zukünftige Europa verdanke sich als Wertegemeinschaft einer Mehrzahl von Einflüssen. Bünker: „So wenig es einen Grund gibt, die Prägung Europas durch  das Christentum zu übersehen, so unbegründet ist es auch, Europa mit dem Christentum gleichzusetzen.“

Verpflichtung zum interkulturellen Dialog

Im Blick auf das zukünftige Europa sieht Bünker für die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) eine Verpflichtung zum interkulturellen Dialog. Für diesen Dialog, der die Menschenwürde des Einzelnen voraussetze, sollen Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit den staatlichen Rahmen bilden. Daraus folge auch die besondere Sorge der Kirchen für Minderheiten und sozial an den Rand Gedrängte.

„Der Nationalstaat ist den heutigen Herausforderungen – Stichwort Globalisierung, Klimawandel, Migration – nicht mehr gewachsen“, erklärte der Bischof in seinem Vortrag. Es diene allen, „wenn sich Staaten zu Staatengemeinschaften, zu Unionen zusammenschließen.“ Bünker kündigte an: „Auf diesem Weg werden die Kirchen ihre christlichen Werte einbringen.“ Aus dem Austausch mit anderen, die ebenfalls ihre Werte einbringen, werde  Europa gestärkt hervorgehen.

ISSN 2222-2464