Im Gespräch – „Für unsere Enkel“

"Zwölf Jahre noch. Dann werden wir die Entwicklung nicht mehr rückgängig, unsere Fehler nicht wieder gut machen können." Foto: pixnio
"Zwölf Jahre noch. Dann werden wir die Entwicklung nicht mehr rückgängig, unsere Fehler nicht wieder gut machen können." Foto: pixnio

Maria Katharina Moser über das Klima der Zukunft

Es geht um deine Zukunft. Das hören Kinder oft von Eltern oder Lehrerinnen, wenn sie in der Schule nicht so tun, wie sie sollten. Wenn sie schlechte Noten haben oder gar durch Abwesenheit glänzen.

Es geht um meine Zukunft, sagt Greta Thunberg. Es ist der erste Schultag in Schweden, der 20. August 2018, als sich die 15jährige zum ersten Mal ganz alleine vor das schwedische Parlament setzt. Mit einem Schild in der Hand: „Schulstreik für das Klima“. Sie schwänzt die Schule und demonstriert, weil sie sich nicht mehr der schwedischen Klimapolitik abfinden will.

Vier Monate später ist Greta nicht mehr alleine. Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen jeden Freitag zehntausende Schüler und Schülerinnen in vielen Städten Europas auf die Straße. Mit Plakaten wie „Oma, was ist ein Schneemann?“ Warum lernen für eine Zukunft, die es nicht gibt? fragen sie. Warum Fakten strebern, wenn die wichtigsten Fakten von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden? Die Jugendlichen wissen: Die vergangenen vier Jahre waren die vier heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, wie die Forschungsgruppe Berkeley Earth berichtet. Das Eis der Polkappen schmilzt, der Meeresspiegel steigt. Bis zu sieben Meter wird er steigen, ganze Städte werden versinken. Das Wetter wird immer extremer. Wir müssen den CO2-Ausstoß stoppen. Zwölf Jahre noch. Dann werden wir die Entwicklung nicht mehr rückgängig, unsere Fehler nicht wieder gut machen können.

Es geht um Eure Zukunft, sagt Ulrich Kasparick. Der evangelische Pfarrer und frühere deutsche Politiker kämpft gegen den Klimawandel. Für seine Enkel, wie er sagt. www.fuerunsereenkel.org heißt seine Initiative. „Wir müssen aufhören mit der Subventionierung fossiler Energie. Da gehen 600 Milliarden Dollar jedes Jahr hinein. Es muss zudem ein fester CO2-Preis kommen. Wer viel emittiert zahlt viel, wer wenig emittiert, zahlt wenig. Das führt zu einem Strukturwandel in der Industrie, weil Kohlekraftwerke nicht mehr wirtschaftlich zu führen wären“, betont Kasparick. Um die Erderwärmung zu stoppen, brauche es einen neuen Lebensstil und politischen Druck seitens Bevölkerung. Auch die Kirchen seien gefragt. „Kirchen haben einen Fundus einzubringen, nämlich die Erkenntnis: Diese Welt gehört uns nicht, es ist Gottes Welt, nicht unsere.“

So wie die Welt, gehört auch die Zukunft nicht uns. Sondern künftigen Generationen. „Ihr sagt, Ihr liebt eure Kinder über alles. Und doch stehlt ihr vor ihren Augen ihre Zukunft“, zitiert Ulrich Kasparick die Rede, die Greta Thunberg bei der Weltklima-Konferenz in Katowice gehalten hat, auf Facebook und fügt als vierfacher Großvater hinzu: „Niemand hat das Recht, das Erbe der Enkel zu verbrauchen.“

Dr. Maria Katharina Moser ist Direktorin der Diakonie Österreich. Kontakt: ta.ei1550635100nokai1550635100d@nir1550635100otker1550635100id1550635100

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ISSN 2222-2464