Holocaust-Gedenken: Kirchen solidarisch mit Kultusgemeinde

Bei der Gedenkveranstaltung am Heldenplatz sprachen neben IKG-Präsident Oskar Deutsch (im Bild) als Zeitzeugen Miriam Auerbach und Rudolf Sarközi. Foto: N. Kunrath
Bei der Gedenkveranstaltung am Heldenplatz sprachen neben IKG-Präsident Oskar Deutsch (im Bild) als Zeitzeugen Miriam Auerbach und Rudolf Sarközi. Foto: N. Kunrath

Vertreter des ÖRKÖ bei Gedenkveranstaltung am Heldenplatz

Wien (epdÖ) – Zu einer Holocaust-Gedenkveranstaltung rief die Israelitische Kultusgemeinde Wien auf. Am 27. Jänner – dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – versammelten sich rund 500 Menschen am Wiener Heldenplatz zum gemeinsamen Innehalten, darunter auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter christlicher Kirchen.

Der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ) betrachtet den Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocausts als „Zeichen der kollektiven Verantwortung“. Es gelte sich „zu erinnern und dadurch Lehren für die Zukunft zu ziehen, damit sich das Verbrechen, das Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, nicht wiederholt“, heißt es in einer ÖRKÖ-Aussendung vom 24. Jänner. Eine Lehre aus dem Holocaust müsse sein, heute „unverbrüchlich für die Demokratie, den Rechtsstaat, die Würde des Menschen sowie die Grund- und Menschenrechte einzustehen“.

Bei der Gedenkveranstaltung sprachen neben IKG-Präsident Oskar Deutsch als Zeitzeugen Miriam Auerbach und Rudolf Sarközi. Aus der Politik kamen die Stadträte Andreas Mailath-Pokorny (SP), Manfred Juraczka (VP), Klubobmann David Ellensohn (Grüne) und Laura Schoch (Vorsitzende der Bundesjugendvertretung) zu Wort. Das Totengebet sprach Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg. Für die musikalische Begleitung sorgte der Jüdische Chor unter Leitung von Roman Grinberg. Seitens des ÖRKÖ waren unter anderem der evangelisch-methodistische Superintendent und ÖRKÖ-Vorsitzende Lothar Pöll sowie der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker auf dem Heldenplatz anwesend.

Der ÖRKÖ-Vorstand hatte am 17. Jänner – der von den Kirchen in Österreich als „Tag des Judentums“ begangen wird – der IKG einen Besuch abgestattet. Im Gespräch mit Oskar Deutsch, mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer ging es neben dem Gedenktag auch um die christliche Beteiligung an der Pflege jüdischer Friedhöfe, um gemeinsame Anliegen an die neue Bundesregierung und um Antisemitismus in Europa.

Es gebe keinen Grund, sich in Sicherheit zu wiegen und zu glauben, dass sich Ausgrenzung, Hass und Menschenhatz nicht wiederholen können, heißt es in der ÖRKÖ-Aussendung weiter. Der Antisemitismus-Bericht der europäischen Grundrechteagentur führe deutlich vor Augen, dass Ausgrenzung, Verfolgung und Bedrohung von jüdischen Menschen in Europa nicht der Vergangenheit angehören.

In einem offenen Brief an Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Nationalratspräsidenten Karlheinz Kopf und Norbert Hofer sowie an die Klubobleute der Parlamentsparteien fordert der ÖRKÖ, dass in Zukunft der 27. Jänner als offizieller Gedenktag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz in Österreich begangen werden soll. Die christlichen Kirchen wollen an diesem Tag „gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus, Menschenhass und Ausgrenzung“ setzen und laden zur Teilnahme ein. „Wir übernehmen Verantwortung für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.“ In dem vom neuen ÖRKÖ-Vorsitzenden Pöll unterzeichneten Brief wird daran erinnert, dass die Vereinten Nationen den 27. Jänner im Jahr 2005 zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt haben. In vielen europäischen Ländern – von Albanien über Dänemark, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Polen, Serbien, Slowenien, Spanien bis zur Tschechischen Republik und zur Ukraine – ist dieser Tag ein offizieller Gedenktag.

ISSN 2222-2464