25.04.2014

Hohe staatliche Auszeichnung für Bischof Michael Bünker

Bundespräsident Fischer würdigt "moralische Autorität" des evangelisch-lutherischen Bischofs

"Pointierte und geradlinige" Aussagen zur Gesellschaftspolitik: Bundespräsident Fischer würdigt Bischof Bünker. Foto: epd/Uschmann

Bundespräsident Fischer würdigt „moralische Autorität“ des evangelisch-lutherischen Bischofs

Wien (epdÖ) – Mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich ist der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker am 25. April in Wien ausgezeichnet worden. Bundespräsident Heinz Fischer überreichte das Ehrenzeichen am Vortag von Bischof Bünkers 60. Geburtstag in der Hofburg. Dabei dankte der Bundespräsident den evangelischen Kirchen für ihr Wirken „weit über den religiösen Bereich hinaus“ wie etwa im sozialen oder pädagogischen Feld. Als „moralische Autorität“ äußere sich Bischof Bünker in „pointierter und geradliniger Weise“ zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen, so der Bundespräsident bei der Feier, an der neben Mitgliedern der Familie Bünkers auch zahlreiche VertreterInnen der Evangelischen Kirchen, der Ökumene und der Religionsgesellschaften teilnahmen, wie etwa der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Lothar Pöll, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Bischof John Okoro von der altkatholischen und Weihbischof Helmut Krätzl von der römisch-katholischen Kirche, der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis, Oskar Deutsch von der Israelitischen Kultusgemeinde und Fuat Sanac von der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

„Bischof Bünkers Verdienste um die Republik Österreich sind vielfältig und spiegeln sich in seinen unterschiedlichen Funktionen als theologischer Experte, Lehrer und Wissenschaftler, als Ökumeniker, als Publizist und vor allem als gesellschaftspolitischer Vor- und Querdenker in Österreich wider. Er hat in den sechs Jahren seiner Tätigkeit als leitender geistlicher Amtsträger der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich das Bild seiner Kirche in der Öffentlichkeit maßgeblich geprägt und seiner Kirche eine Öffentlichkeitswirkung ermöglicht, die weit über deren konfessionsstatistisches Gewicht hinausreicht“, sagte Ministerialrat Karl W. Schwarz in seiner Laudatio für den Bischof. Den hohen Bekanntheitsgrad habe sich Bünker durch seine Ansprachen und Interviews erworben. Schwarz: „Er ist eine ganz außerordentliche mediale Erscheinung und fällt durch seine umfassenden kulturwissenschaftlichen, sozial- und gesellschaftspolitischen sowie humanistischen Kompetenzen auf.“ Schwarz erinnerte an Bünkers klare Distanzierung und Verurteilung des Antisemitismus, er habe den Zusammenhang von Migration und Religion zum Thema gemacht und allen Versuchen, Politik zu „religionisieren“ bzw. Kirchen politisch zu instrumentalisieren, eine Abfuhr erteilt.

Schwarz blickte in seiner Ansprache auf das Leben und die berufliche Laufbahn Bünkers zurück. Bünker, am 26. April 1954 in Leoben geboren und in Kärnten aufgewachsen, sei nicht nur Experte für Neues Testament. Er habe sich auch in die Systematische Theologie, vor allem jene von Wilhelm Dantine, vertieft. Darüber hinaus machte er sich auch als Religionspädagoge einen großen Namen, wie seine zahlreichen Publikationen zeigen. „Diese Veröffentlichungen weisen Bünker als kompetenten Professor aus, dem durchaus eine akademische Karriere zugetraut wurde, manche hätten ihn gerne am Katheder der Evangelisch-Theologischen Fakultät gesehen“, so Schwarz. Bischof Michael Bünker sei aber nicht nur wegen seines bischöflichen Wirkens einer breiten Öffentlichkeit bekannt, betonte Schwarz. Als Kabarettist, Schriftsteller und Musiker habe er schon mehrfach das Publikum für sich gewinnen können.

„Ich verstehe die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich als Anerkennung des Wirkens der Evangelischen Kirche A.B., die mir das Bischofsamt anvertraut hat, der Evangelischen Kirche H.B. und der Evangelisch-methodistischen Kirche, mit denen wir in enger Kirchengemeinschaft leben, unserer Schwesterkirchen in der Ökumene, ja der Religionsgesellschaften in unserem Land“, erklärte Bischof Michael Bünker in seinen Dankesworten. Er erinnerte an die „positive und fördernde“ Umsetzung der Religionsfreiheit durch den Staat, der der Vielfalt der Religionen offen gegenüberstehe und sie „nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum“ verstehe. Die Trennung von Staat und Kirche gehöre zu den Grundüberzeugungen. Diese Trennung bedeute „nicht ein beziehungsloses Nebeneinander, sondern eine Befreiung, zuerst die Befreiung der Politik von religiöser Bevormundung und auf der anderen Seite die Befreiung von Kirchen und Religionsgesellschaften von politischer Dominanz“. In der wechselseitigen Freiheit sind, so Bünker, „vielfältige Formen der Kooperation möglich und wirklich geworden“ wie etwa in der Diakonie, dem evangelischen Schulwesen oder beim Religionsunterricht.

1991 wurde Michael Bünker, damals Pfarrer in Wien-Floridsdorf, Rektor der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie (ERPA). Er nahm darüber hinaus Lehraufträge für Bibeldidaktik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät wahr. 1999 folgte Bünkers Wahl zum Oberkirchenrat. 2006 wurde er zum Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) bestellt, deren Geschäftsstelle er nach Wien holte. 2007 wählte ihn die Synode zum Bischof, seit 1. Jänner 2008 steht er der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich vor.

Fotos von der Verleihung des Ehrenzeichens finden Sie hier.

ISSN 2222-2464

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