Hilfsorganisationen: Spenden steuerlich absetzen

Chalupka: Spender zu bestrafen, ist „ein starkes Stück“

Wien, 21. April 2004 (epd Ö) „Spender in Österreich durch die steuerliche Nichtabsetzbarkeit ihrer Spenden zu bestrafen, ist ein starkes Stück“, sagte der Direktor der Diakonie Österreich, Pfarrer Mag. Michael Chalupka, am Montag, 19. April in Wien bei einer Pressekonferenz. Mehrere humanitäre Organisationen, darunter Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz, Volkshilfe, Hilfswerk, „Licht ins Dunkel“, SOS-Kinderdorf, Ärzte ohne Grenzen, Christoffel-Blindenmission und der Zivil-Invalidenverband, präsentierten dort ihre „Initiative zur Stärkung der Zivilgesellschaft im Rahmen der Steuerreform 2005“. Die Plattform verlangt einen Steuerbonus für humanitäre Spenden.

Chalupka betonte, dass Spenden „humanitäre und soziale Politik nicht ersetzen“ könnten und dürften. Spenden seien „ein wichtiges Instrument, um ein Bewusstsein für soziale Anliegen zu schaffen“. Deshalb sei es „endlich an der Zeit, hier einen Schritt vorwärts zu gehen“ und seitens des österreichischen Staates die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für humanitäre Organisationen und ihre Arbeit zu ermöglichen.

Staatliche Anreize

Dass in der österreichischen Gesellschaft ein Rückgang der Beteiligung der BürgerInnen an den staatlichen und gesellschaftlichen Belangen zu verzeichnen sei, berichtete der Präsident der Volkshilfe, Josef Weidenholzer. Der Staat solle wieder mehr „Anreize schaffen, dass sich Bürger wieder mehr beteiligen und dafür belohnt werden“. Der Generalsekretär der Caritas, Stefan Wallner-Ewald, erklärte, dass Österreich neben Finnland „das Schlusslicht in der Europäischen Union“ bilde, was die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden betreffe. Ab 1. Mai würde Österreich sogar „von Beitrittsländern überholt“, die Gesetze zur Absetzbarkeit von Spenden entweder schon beschlossen oder bereits in Arbeit hätten.

Die jetzige steuerliche Nichtabsetzbarkeit von Spenden habe etwas von „monarchischer Almosenhaltung“, erklärte der Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf, Wilfried Vyslozil. Er verwies darauf, dass der zu erwartende Steuerausfall durch eine Absetzbarkeit von Steuern „genau dem Ausfall der Schaumweinsteuer“ entsprechen würde. „Eine Größenordnung, die diese Republik vielleicht verkraftet“, so Vyslozil. Den durch eine steuerliche Absetzbarkeit von Spenden zu erwartenden Steuerausfall für den Staat bezifferte Iain Paterson vom Institut für Höhere Studien mit ca. 48,8 Millionen EURO. Davon entfielen ca. 33,5 Millionen auf den Bereich der privaten Spenden und ca. 15,3 Millionen auf den Bereich der Unternehmensspenden. In Österreich werden freiwillige Zuwendungen derzeit nur im Kultur- und Wissenschaftsbereich steuerlich gefördert.

ISSN 2222-2464