Herrgesell: „Wir wollen Mut machen zu neuen Ideen“

"Wir waren überrascht, wie viel in unserer Kirche passiert", sagt Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell, die für Kirchenentwicklung zuständig ist. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
"Wir waren überrascht, wie viel in unserer Kirche passiert", sagt Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell, die für Kirchenentwicklung zuständig ist. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Oberkirchenrätin für Kirchenentwicklung zieht erste Bilanz

Wien (epdÖ) – Sammeln, Bestand aufnehmen und hinschauen – so beschreibt Gerhild Herrgesell ihre Tätigkeit in den vergangenen Monaten. Die Religionspädagogin nahm vor ziemlich genau einem Jahr ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Oberkirchenrätin für Kirchenentwicklung auf. Seitdem habe sie zahlreiche Pfarrgemeinden besucht, mit vielen Menschen das Gespräch gesucht und interessante Projekte kennengelernt. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst zieht sie eine erste Bilanz.

„Wir waren überrascht, wie viel in unserer Kirche passiert“, sagt Oberkirchenrätin Herrgesell, die in ihrer Arbeit von Kirchenrätin Andrea Sölkner und Gabi Löw unterstützt wird. „Die Gemeindeautonomie macht möglich, dass Ideen, die in Gemeindevertretungen und Presbyterien entstehen, schnell und ohne bürokratischen Aufwand umgesetzt werden können. Das ist ein großer Pluspunkt, der vieles ermöglicht. Auch wagemutige Versuche können so entstehen und ausprobiert werden“, so die Oberkirchenrätin. Sie sieht aber auch die andere Seite der Medaille: Zu viele Projekte in einer Pfarrgemeinde bergen die Gefahr, zu viele personelle Ressourcen zu verbrauchen. In Folge fehle dann oft der Blick nach außen, über die Gemeinde und diözesane Grenzen hinaus. „Hier sehen wir noch viele Möglichkeiten, wie Gemeinden vorhandene Kapazitäten besser nützen könnten. Beispiele dazu gibt es auch schon: einige Gemeinden veranstalten etwa gemeinsam oder abwechselnd mit ihren Nachbargemeinden bestimmte Aktivitäten oder Kreise. Andere Gemeinden teilen sich eine Sekretärinnenstelle oder eine Jugendreferentin.“ Herrgesell ermutigt Pfarrgemeinden auch dazu, erfolgreiche Ideen aus anderen Gemeinden zu kopieren oder zu adaptieren – dies sei völlig legitim und sogar empfehlenswert.

Einen Pool an guten Ideen biete hier das Internetportal: www.geistreich.de. Derzeit würden noch hauptsächlich Projekte aus Deutschland und der Schweiz vorgestellt. „In enger Kooperation mit ‚geistreich‘ arbeiten wir derzeit daran, dieses Internetportal künftig den Pfarrgemeinden in Österreich als Service – mit einer eigenen ‚geistreich‘-Gruppe und Schwerpunkt auf österreichische Projekte – anbieten zu können“, erklärt Herrgesell.
„Woran wir weiterarbeiten ist, Menschen in Gemeinden Mut zu machen, auch völlig ungewohnte und neue Ideen auszuprobieren“, sagt Oberkirchenrätin Herrgesell im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst.

„Wahrscheinlich wird in Zukunft nicht mehr die Zahl der sonntäglichen KirchenbesucherInnen genannt werden, denn diese wird sicher abnehmen. Die Menschen, die Kirche als religiöse Begegnung und Begleitung suchen, werden zahlreicher werden. Und genau diesen Anfragen sollen und müssen wir uns stellen und Angebote parat haben – sei es in Shopping Centers, auf Fetzenmärkten, auf Geburtenstationen, in sozialen Netzwerken oder vor dem Marathonstart.“

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ISSN 2222-2464