Henner: „Treue zur Sprache Luthers entscheidend“

Neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaft sind in die Übersetzung eingeflossen. Jutta Henner bei der Präsentation der Luther-Bibel am Reformationsempfang. Foto: epd/Uschmann
Neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaft sind in die Übersetzung eingeflossen. Jutta Henner bei der Präsentation der Luther-Bibel am Reformationsempfang. Foto: epd/Uschmann

Neue Luther-Bibel beim Reformationsempfang in Wien präsentiert

Wien (epdÖ) – „Was erwartet die Leserinnen und Leser der neuen Luther-Bibel? Mehr Luther erwartet die Leserinnen und Leser auf alle Fälle“, sagte Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, beim diesjährigen Reformationsempfang am 3. November im Wiener Odeon-Theater. Henner präsentierte vor zahlreichen Gästen aus Kirchen und Gesellschaft die neue Luther-Übersetzung, die anlässlich des Reformationsjubiläums vor wenigen Wochen erschienen ist. „Es ist recht und billig, dass das Reformationsjubiläum mit einer neuen Luther-Übersetzung beginnt“, betonte Henner zu Beginn ihrer Präsentation.

„Ein Ziel gab es bei der Revision der Luther-Bibel von 1984 nicht: nämlich eine Bibel in moderner Sprache herauszubringen“, so Henner. Moderne Übersetzungen gebe es bereits am Markt. Vielmehr habe man sich bemüht, wieder mehr in die Richtung von Luthers Originalübersetzung zu gehen. „Ein Drittel der Veränderungen lässt sich zusammenfassen als ‚Zurück zu Luther‘.“ So hätten die 70 Theologinnen und Theologen, die an der Revision beteiligt waren, als ein Kriterium die Treue zur Sprache Luthers definiert. Darüber hinaus habe man darauf geachtet, dass der Bibeltext auch für den Gottesdienst gut nutzbar sei.

Trotz der Änderungen seien viele liebgewordene und bekannte Texte gleich geblieben. Überhaupt seien Änderungen oft nur erkennbar, wenn man die beiden Bibeltexte – den neuen und den von 1984 – nebeneinander lege. „Von den 35.598 Versen sind rund 44 Prozent verändert worden. Vieles davon betrifft aber nur Satzzeichen oder andere Satzstellungen. Lediglich 8,5 Prozent der Wörter wurden verändert“, erklärte Henner. Die meisten Änderungen gebe es im Bereich der Apokryphen, die teilweise komplett neu übersetzt wurden.

Eine neue Revision der Luther-Bibel von 1984 sei unter anderem nötig gewesen, weil in diesem Jahr nur das Neue Testament in einer revidierten Fassung erschienen sei. Das Alte Testament wurde zuletzt 1964 überarbeitet, in der Zwischenzeit seien aber viele neue Handschriften gefunden worden. Darüber hinaus habe die Bibelwissenschaft neue Erkenntnisse, die in der neuen Revision berücksichtigt wurden. „Nicht nur die Kirche bedarf der steten Reformation, sondern auch die Grundlage des christlichen Glaubens. Die Bibel muss immer neu reformiert werden – durch Revisionen, aber auch durch neue Bibelübersetzungen.“

In Österreich werde die neue Luther-Bibel schrittweise eingeführt: in den Gemeinden, im Gottesdienst, aber auch im Rahmen der Schulbuchaktion. Alle evangelischen Pfarrgemeinden A.B. werden in nächster Zeit die befristete Möglichkeit haben, eine Altarbibel zu einem speziellen Preis erwerben zu können. Die Jubiläumsausgabe der Luther-Bibel sei mittlerweile schon ausverkauft.

„Wenn die Liebe und Begeisterung Luthers und der Reformatoren für die Bibel ins Jahr 2017 überspringt, dann hat sich die Arbeit der Übersetzer gelohnt“, resümierte Henner.

Bilder vom Empfang auf foto.evang.at

ISSN 2222-2464