Hennefeld: Zeichen des Lebens gegen Gewalt und Tod

Gottesdienst zum 500. Geburtstag Johannes Calvins

Wien (epd Ö) – „Trotz allem, was Menschen einander und der Schöpfung Gottes antun, hat Gott den Menschen nicht aufgegeben, trotz allem gibt es eine ‚Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen'“, sagte der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld am Sonntag, 14. Juni, in seiner Predigt beim Gottesdienst anlässlich des Calvin-Jubiläums in der reformierten Stadtkirche in Wien. Gegen die Verstrickung in Gewalt und Tod sei es wichtig, „Zeichen der Lebens zu setzen“, so der Landessuperintendent. Gemeinsam hatten die reformierten Pfarrgemeinden Wiens den Gottesdienst gestaltet. Er bildete den Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten, in denen an den 500. Geburtstag des Genfer Reformators Johannes Calvin erinnert wird. Am Montagabend, 15. Juni, lädt die Reformierte Kirche zu einem Festakt in die Stadtkirche, an dem auch Bundespräsident Heinz Fischer teilnehmen wird. Am Dienstag beginnt am Institut für Ethik und Recht ein wissenschaftliches Symposion, das sich mit unterschiedlichen Aspekten der Theologie Calvins beschäftigt.

Indem Gott mit den Menschen einen Bund schließe, „mischt er sich ein, lässt den Dingen eben nicht einfach ihren Lauf“, erklärte der Landessuperintendent. Der Bund beinhalte Freiheit, die allerdings nicht von Verantwortung und Verpflichtung zu trennen sei. Für Calvin sei das „nicht neu gewesen“, betonte Hennefeld, für ihn sei „Gott im Zentrum seines Denkens“ gestanden. Eine sichere Priesterkarriere habe er gegen eine unsichere Flüchtlingsexistenz getauscht, mit der Hinwendung zur Reformation sei er Gefahr gelaufen, wie viele andere auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Gott bleibe seinem Bund treu, selbst wenn der Mensch untreu werde, führte Hennefeld weiter aus. Damit ziele er auf „Befreiung aus Unterdrückung und Abhängigkeit. Menschen sollen das Leben so gestalten, dass es für alle lebenswert ist.“ Dieser Ruf Gottes sei immer auch verbunden mit dem Einsatz für „die auf der Verliererseite, für die Schwachen und Armen, die Entrechteten und in Not Geratenen“. Den Bund Gottes ernst zu nehmen, bedeute, Freiheit und Verantwortung zu leben. Dieser Bund sei allerdings kein „Geheimbund“, vielmehr sei es ein Auftrag, „hinauszugehen und Licht für die Völker zu werden, niemanden auszuschließen, der anders denkt, eine andere Konfession oder Religion hat“. Calvin habe hier bereits „universell“ gedacht, der Horizont habe sich in den letzten 500 Jahren allerdings erweitert. Heute gehe es nicht nur um das Wohl der Stadt und des Landes, sondern um das Wohl des bewohnten Erdkreises. Den Bund Gottes zu leben, sei nicht „bequem“, bedeute nicht, „den lieben Gott einfach einen guten Mann sein zu lassen“. Vielmehr beinhalte es die Mitgestaltung der Umgebung, der Gesellschaft und der Welt, sich zu „verbinden und verbünden, nicht gegen jemanden, sondern für eine gerechtere und friedlichere Welt“, schloss der Landessuperintendent.

ISSN 2222-2464