Hennefeld: „Kurzsichtige Politik macht Israel nicht sicherer“

Reformierter Landessuperintendent kritisiert „herrschende Verblendung und Ignoranz“

Wien (epd Ö) – Die Menschen, denen die Existenz Israels und das Wohlergehen seiner Bevölkerung am Herzen liegen, könnten „die kurzsichtige und menschenrechtswidrige Politik“ der israelischen Regierung nur verwerfen, schreibt der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in der neuesten Ausgabe der Wiener Zeitschrift „Kritisches Christentum“. „All die selbst ernannten Wächter Israels, Juden in der Diaspora und Christen, schaden paradoxerweise dem Staat mit ihren Solidaritätsbekundungen mehr, als sie ihm nützen“.
Der „pauschal getrommelte Antisemitismus-Vorwurf“ gegen alle Kritiker mache Israel weder sicherer noch friedlicher, unterstrich der protestantische Theologe. Die „wütenden Stimmen, die von ‚Verrätern‘ und ‚jüdischen Selbsthassern‘ reden“, bestärkten jene „Hardliner, die das ganze Land für sich haben wollen, oder jene, die meinen, mit dem Status quo noch Jahrzehnte leben zu können, so lange bis die Nicht-Juden keinen Raum mehr zum Leben haben werden. So eine Politik steuere eher auf die nächste große Konfrontation zu, und dann wird es wieder heißen: ‚Wir sind ja von lauter Feinden umgeben, die uns ins Meer werfen wollen.'“

Hennefeld: „Es sind die Propheten von heute, Juden und Nicht-Juden, religiöse und areligiöse Menschen, Israelis, Amerikaner und Europäer, die die Politik Israels als menschenverachtend und hirnverbrannt anprangern – nicht um Israel zu schaden und sich bei eingefleischten Antisemiten beliebt zu machen, sondern aus Sorge um Israel, aus Sorge darüber, dass dieses Land sich selber die Zukunft verbaut. Es sind die scharfen Kritiker Israels, die dem Land eine Zukunft verheißen, trotz der herrschenden Verblendung und Ignoranz, eine Zukunft, in der alle Menschen in Israel und Palästina in Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit leben können.“

Der reformierte Landessuperintendent hatte im Vorjahr gemeinsam mit dem lutherischen Bischof Michael Bünker und weiteren führenden Repräsentanten der Evangelischen Kirche A.u.H.B. Israel und Palästina besucht. Er ist im christlich-jüdischen Dialog wie auch in der Solidaritätsarbeit für die Friedenskräfte im Nahen Osten engagiert.

ISSN 2222-2464