Hennefeld: Kreuze werden verteidigt, aber Menschen ans Kreuz genagelt

„Paulus hätte als Schiffbrüchiger vor Malta heute keine Chance gehabt.“ Foto: pxhere
„Paulus hätte als Schiffbrüchiger vor Malta heute keine Chance gehabt.“ Foto: pxhere

Gottesdienst zur Weltgebetswoche: Umdenken in Flüchtlingspolitik gefordert

Wien (epdÖ) – In einem ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Weltgebetswoche in der römisch-katholischen Wiener Pfarre St. Georg-Kagran hat der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld am Mittwoch, 22. Jänner, auf die Unvereinbarkeit der europäischen Flüchtlingspolitik mit dem Evangelium hingewiesen. Die Europäische Union schließe etwa mit Libyen Verträge, wo Flüchtlinge in Lagern gefoltert und vergewaltigt würden. An den EU-Außengrenzen – etwa in Kroatien – werde mit exzessiver Gewalt gegen Flüchtlinge vorgegangen, so der stellvertretende ÖRKÖ-Vorsitzende. Auch Menschen, die wegen ihrer christlichen Überzeugung fliehen mussten, seien nicht sicher vor der Rückschiebung in Länder, in denen ihnen Verfolgung, Gefängnis oder Tod drohe. Retter, die Ertrinkenden helfen wollten, würden kriminalisiert. „Paulus hätte als Schiffbrüchiger vor Malta heute keine Chance gehabt“, betonte Hennefeld mit Bezug auf die biblische Apostelgeschichte, wo Paulus mit 270 Gefährten vor Malta Schiffbruch erleidet. All dies werde auch von „christlichen Politikern“ verantwortet, die „zwar Kreuze verteidigen, denen es aber egal ist, wenn Menschen an Kreuze genagelt werden“. Wörtlich sagte der reformierte Landessuperintendent: „Wir dürfen diese politische Gotteslästerung nicht hinnehmen.“ Wenn sich die Barbarei breitmache, dürften die Christen das Evangelium nicht verraten, „auch wenn sie manchmal zu schwach sind“.

In seiner Einleitung der Fürbitten formulierte der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin: „Geist der Liebe, komm auf die versammelten Christinnen und Christen der verschiedensten Konfessionen und Muttersprachen herab, damit wir fähig werden, nicht nur einander in Liebe anzunehmen, sondern auch Fremden und Ausgegrenzten in christlicher Liebe zu begegnen. Wir wollen uns heute erneut zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Einheit verpflichten.“

In seinem Schlusswort rief der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis dazu auf, im Bemühen um die Einheit der Kirchen die Christen nicht zu vergessen, „die wegen ihres Glaubens verfolgt, misshandelt und getötet werden“. Die Christen dürften aber darauf vertrauen, dass der Heilige Geist sie in der Sehnsucht nach Einheit tröstet und stärkt, „damit sie wahrhaft für das Evangelium Zeugnis geben können“.

Die weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen geht am Samstag, 25. Jänner, zu Ende.

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ISSN 2222-2464