Hennefeld: Konfessionelle Unterschiede bewahren

KEK-Vollversammlung wählt reformierten Landessuperintendenten in Zentralausschuss

Lyon (epd Ö) – „Es gilt, die Vielfalt an Konfessionen und Kulturen in Europa zu bewahren, und dabei meinen wir ein Europa, das größer ist als die Europäische Union“, sagte der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Thomas Hennefeld, in einem Gespräch mit epd Ö am heutigen Mittwoch als Bilanz der Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Lyon. Hennefeld ist am vergangenen Montag, 20. Juli, zum Mitglied des Zentralausschusses der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) gewählt worden, dem Leitungsgremium des Zusammenschlusses von 130 Kirchen in Europa. Er folgt damit der lutherischen Oberkirchenrätin Hannelore Reiner nach, die nicht mehr kandidierte.

Geeinte Stimme in Europa

„Nach meiner Vorstellung von dieser Konferenz der Kirchen geht es nicht darum, zu einer Einheit zurückzukehren, in der die konfessionellen Unterschiede eingeebnet werden.“ Gleichzeitig aber gelte es, mit einer geeinten Stimme in Europa beispielsweise gegenüber den Institutionen der EU zu sprechen. „Nur so können sich die Kirchen in einer stark säkularisierten Gesellschaft Gehör verschaffen mit den christlichen Werten, die uns verbinden.“ Dies betreffe vor allem die Religionsfreiheit, genauso aber den Einsatz für Menschenrechte. Weil die meisten teilnehmenden Kirchen Minderheitskirchen seien, müsse sich die KEK eben gerade auch für diese Kirchen einsetzen. „Es geht aber auch um eine Sensibilisierung für andere Minderheiten in Europa, seien es ethnische, religiöse oder kulturelle Minderheiten. Hier wurde immer wieder die Frage der Roma in Europa genannt.“
Ebenfalls aus Österreich ist Metropolit Michael Staikos über das ökumenische Patriarchat in den Zentralausschuss der KEK gewählt worden.

KEK begeht 50-jähriges Jubiläum

Am Sonntag, 19. Juli, war das 50. Jubiläum der KEK in verschiedenen Gottesdiensten begangen worden, zu denen die Kirchen und Gemeinden von Lyon eingeladen hatten, sowie mit einem großen Fest mit Gästen aus ganz Europa. Den Schlusspunkt des Festes setzte, so Reiner, der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. mit einer „sehr direkten“ Einladung an die Römisch-katholische Kirche, sich doch mit auf das „ökumenische Schiff“ zu begeben. Reiner bemerkt in ihrem Online-Tagebuch, in dem sie von der KEK-Vollversammlung schreibt: „Dass die Russisch-orthodoxe Kirche allerdings ihre Mitgliedschaft in der KEK ebenfalls derzeit ruhend gestellt hat, wurde an diesem Abend nicht angesprochen.“

Organisatorische Probleme

In dem Blog vermerkt die Oberkirchenrätin auch Schwierigkeiten bei der Organisation der großen Versammlung. So habe die Stadt Lyon ihr Versprechen, das Kongresszentrum samt allen Hallen kostenlos zur Verfügung zu stellen, auf die Hälfte reduziert. Neue Verhandlungen hätten sich schwierig gestaltet. Reiner: „Da zeigen sich für mich schon wesentliche Unterschiede zwischen Frankreich und Österreich. Wie sehr Bund und Länder unsere Kirchen in Österreich wie auch einzelne Pfarrgemeinden unterstützen, wird leicht als selbstverständlich angesehen. Ein Blick bloß auf die europäische Ebene zeigt, dass wir unter besonders günstigen Bedingungen in dieser Beziehung leben – zumindest zurzeit.“

KEK startet Reformprozess

Zur 13. Vollversammlung waren 750 Vertreter der Mitgliedskirchen und ihnen nahestehender Organisationen ins Kongresszentrum der Rhone-Metropole gekommen. Die rund 300 Delegierten haben am Freitag einen umfassenden Reformprozess auf den Weg gebracht. Eine vorgezogene KEK-Vollversammlung wird im Sommer 2013 über die Reformen abstimmen.
Von Seiten der Evangelischen Kirchen in Österreich haben an der Konferenz die lutherische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner als Mitglied des Exekutivausschusses der KEK, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Synodalpräsident Peter Krömer, cand.theol. Irmgard Langer, der methodistische Pastor Markus Fellinger und als Vertreter der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Bischof Michael Bünker teilgenommen. Die KEK besteht seit 1959. In der Konferenz sind rund 130 protestantische, orthodoxe, anglikanische und altkatholische Kirchen zusammengeschlossen.

Das Tagebuch, in dem Hannelore Reiner und die Jugenddelegierte, Irmgard Langer, von der Vollversammlung der KEK berichten, finden Sie unter www.evang.at/tagebuch-vollversammlung-kek-09.html.

ISSN 2222-2464