Hennefeld: „Kirche muss sich für Fremde und Notleidende einsetzen“

Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst zur „Langen Nacht der Kirchen“ – Keine Zugeständnisse an Intoleranz und Feindseligkeit

Wien, (epd Ö) – Die Kirche ist nur dann glaubwürdig, wenn sie sich für Fremde, Flüchtlinge, Obdachlose und für jene einsetzt, „denen Gewalt angetan wird mit Worten oder Taten“. Das betonte der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen „Langen Nacht der Kirchen“ am Freitag, 5. Juni, in der Wiener Lutherischen Stadtkirche. Ausdrücklich gelte es auch, die muslimischen und jüdischen Mitbürger einzubeziehen. Die „Lange Nacht der Kirchen“ sei mehr als nur ein „Happening“ oder eine „große bunte Seifenblase“, so Hennefeld. Die „Lange Nacht“ zeige, „dass wir als Christen und Kirchen einen Auftrag haben in dieser Welt, dass wir hinausgehen und heilen sollen, Blinde sehend machen und Taube hörend, dass wir selber den Finger in die Wunde legen, dass wir die Dinge beim Namen nennen, die Kummer und Schmerz bereiten“.

So wie US-Präsident Barack Obama in seiner Rede in Kairo betont habe, dass der Islam auch ein Teil der USA ist, gelte dies auch für Wien, sagte der Landessuperintendent: „Der Islam ist ein Teil von Wien, und das sollten wir nicht nur akzeptieren, sondern als Chance begreifen.“ In zahlreichen islamischen Gebetshäusern würden fromme Muslime beten, die weder fanatisch noch gewaltbereit seien. Besonders aufmerksam müssten die Christen und Kirchen auch im Hinblick auf das Judentum sein, so Hennefeld weiter. Gerade aus der Erfahrung der Geschichte bestehe hier eine große Verantwortung. Antisemitischen Parolen und Reden müsse freimütig entgegengetreten werden. Die diesbezüglichen Ängste und Sorgen von Juden seien ernst zu nehmen. Die Kirchen dürften nicht den Eindruck erwecken, als würden sie Zugeständnisse an Intoleranz und Feindseligkeit machen. Vielmehr gelte es, ohne Aggression, aber mit Klarheit und Bestimmtheit aufzutreten. Hennefeld: „Sind nicht jene taub und blind, die das Abendland nur für Christen beanspruchen?“ Der reformierte Landessuperintendent warnte aber auch davor, neue Mauern von kirchlicher Seite her auf-zubauen. Vielmehr müssten die Christen auch bereit sein, die Ängste jener ernst zu nehmen, die sich aufhetzen lassen.

Sturm: Kirchennacht zeigt „Reichtum der Ökumene“

Am ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der vollen lutherischen Stadtkirche nahmen zahlreiche Repräsentanten der christlichen Kirchen in Wien und Österreich teil; u.a. der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, der katholische Weihbischof Franz Scharl, der katholische Bischofsvikar für Wien-Stadt, Prälat Karl Rühringer, der evangelische Superintendent Hansjörg Lein, der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian, der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin und der altkatholische Bischof John Okoro. Weihbischof Scharl bat im Gottesdienst für eine „Lange Nacht“, die zu einer „Zeit der Begegnung“ der suchenden Menschen untereinander und mit Gott werden solle. „Wir öffnen heute die Türen für alle Menschen, die uns kennenlernen wollen“, so Scharl wörtlich. „Ich finde es schön, dass wir gemeinsam alle Kirchen öffnen, egal welcher Konfession“, sagte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der lutherische Altbischof Herwig Sturm, am Rande des Gottesdienstes. Durch die vielen niederschwelligen Angebote könnten zahlreiche Menschen durch die Stadt gehen „und den Reichtum der Ökumene erleben“, freute sich Sturm.

ISSN 2222-2464