Hennefeld erinnert auf Ö1 an Geschwister Scholl

Als Mitglieder der "Weißen Rose" inhaftiert und hingerichtet: Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst (v.l.). Foto: flickr/Jim Forest
Als Mitglieder der "Weißen Rose" inhaftiert und hingerichtet: Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst (v.l.). Foto: flickr/Jim Forest

Zivilcourage gegen „Normalisierung des Grauens“

Wien (epdÖ) – In einem „Zwischenruf“ für den Radiosender Ö1 hat der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld am Sonntag, 18. Februar, an die antinationalsozialistische Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um das Geschwisterpaar Sophie und Hans Scholl erinnert. Am 18. Februar 1943 waren die beiden während einer Flugblattaktion an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität von der Gestapo festgenommen worden. Sie und vier weitere Mitglieder der weißen Rose wurden in weiterer Folge von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und hingerichtet.

„Ich frage mich, woher die Mitglieder der Gruppe die Kraft bezogen haben für diese aufreibende und lebensgefährliche Tätigkeit“, sagt Hennefeld und verweist auf den Glauben der liberal-evangelisch erzogenen Geschwister Scholl, der unter anderem in Tagebucheinträgen deutlich zur Geltung käme. Auch auf einem der von der Weißen Rose verbreiteten Flugblätter finde sich dafür ein klarer Hinweis, den Hennefeld zitiert: „Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst.“

Hennefeld unterstreicht  auch, dass der Weg der Scholls nicht vorgezeichnet gewesen sei. So hätten sie sich zu Beginn durchaus von dem „nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedanken angetan“ gezeigt, bald aber den Widerspruch der NS-Ideologie zur christlichen Glaubenshaltung erkannt. „Warum sollen wir uns das Schicksal der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter ins Gedächtnis rufen? Weil sie Zivilcourage zeigten, die es auch heute braucht, wo wir unter ganz anderen Umständen leben. Der Mensch kann sich an vieles gewöhnen und was  gestern noch als pervers und absurd erschien, kann morgen schon die Norm sein. Genau dagegen hat sich das Geschwisterpaar Scholl gewandt, gegen die Normalisierung des Grauens.“ Hans und Sophie Scholl könnten noch heute „leuchtende Vorbilder“ sein wenn es darum gehe, Mut zu zeigen und sich auf Konflikte einzulassen.

Die Sendung kann einen Monat lang in der Ö1-Mediathek nachgehört werden.

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ISSN 2222-2464