„Helfen. Wie wir“ präsentiert neue Kampagne und Werbespots

Mit der neuen Kampagne sollen dringend notwendige Deutschkurse für Menschen auf der Flucht in Österreich organisiert werden. (Foto: Diakonie/Nadja Meister)
Mit der neuen Kampagne sollen dringend notwendige Deutschkurse für Menschen auf der Flucht in Österreich organisiert werden. (Foto: Diakonie/Nadja Meister)

Gemeinsame Plattform von ORF und NGOs legt Fokus auf Spracherwerb

Wien (epdÖ) – Die Plattform „Helfen. Wie wir“, die der ORF und österreichische Hilfsorganisationen, darunter auch die Diakonie, im September 2015 gestartet haben, geht in die zweite Phase. In einer Pressekonferenz in Wien wurde am 27. April die neue Kampagne „Sprechen lernt man nur durch Sprechen“ vorgestellt. In dieser Phase sollen vor allem Deutschkurse organisiert und deren Durchführung unterstützt werden. Denn eine der größten Herausforderungen für Flüchtlinge in Österreich ist das Erlernen der Sprache. Die Nachfrage und der Wunsch, rasch Deutsch zu lernen, seien groß – aber das Angebot reiche nicht aus, heißt es seitens der Plattform. Aus diesem Grund bittet die Plattform „Helfen. Wie wir“ um Spenden, die es den beteiligten NGOs ermöglichen, zusätzliche Deutschkurse für Flüchtlinge anzubieten.

„Die erste Phase ist beendet. Das heißt aber nicht, dass die Phase, in der es um Quartiere und Wohnungen für Flüchtlinge ging, am Ende ist“, betonte Diakonie-Direktor Michael Chalupka bei der Pressekonferenz. „Die Flüchtlinge wohnen ja weiterhin in den Quartieren und Wohnungen. Und auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer engagieren sich weiterhin.“ In dieser Phase gehe es darum, Deutschkurse für Asylwerber ab dem ersten Tag anzubieten, so Chalupka. Denn unabhängig davon, ob die Asylwerber im Land bleiben können oder nicht, würden sie von den Sprachkursen profitieren. Dazu komme, dass man beim Integrationsprozess keine Zeit verstreichen lassen dürfe. „Deutschkurse vom ersten Tag an sind ein Startvorteil für den weiteren Integrationsweg“, zeigte sich der Diakonie-Direktor überzeugt.

Die Kurse werden auf die Zielgruppe zugeschnitten und sollen mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Bereits mit einem Beitrag von fünf Euro kann eine Deutschstunde für einen Flüchtling inklusive Kinderbetreuung und Fahrtkosten sichergestellt werden. Zirka 13.500 Euro kostet ein ganzer Deutschkurs für eine Gruppe. „Wir sind der Überzeugung, dass es gescheit ist, wenn alle vom ersten Tag an Sprachunterricht bekommen“, sagte Chalupka. „Bisher bekommen nur jene Flüchtlinge, die Asylstatus zugesprochen bekommen, einen Deutschkurs vom Arbeitsmarktservice finanziert. Unsere Hoffnung: Wenn wir mit unseren Deutschkursen Erfolg haben, wird vielleicht auch die öffentliche Hand mitziehen.“

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Eines der vorrangigsten Probleme ist und bleibt die Integration. Die Grundvoraussetzung dafür ist der Spracherwerb. Sprache ist nicht nur der Schlüssel zur Verständigung, sondern vermittelt auch Haltungen, schafft Verständnis und gibt Orientierung.“ Da das Angebot an Deutschkursen derzeit bei Weitem nicht ausreiche, habe sich der ORF dazu entschlossen, hier aktiv zu werden. „Wir möchten mit zertifizierten Kursen möglichst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf A1-Level nach europäischem Referenzrahmen für Sprachen bringen“, erklärte Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting.

Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurden jeweils drei TV- und Radiospots produziert, die bei der Pressekonferenz präsentiert wurden. Bei den Spendenaufrufen unter dem Motto „Sprechen lernt man nur durch Sprechen“ rezitieren Flüchtlinge Gedichte des österreichischen Dichters Ernst Jandl. „Wir haben uns überlegt, wie wir die Themen Sprache und Kultur unter einen Hut bringen können, und sind dabei auf Literatur gestoßen“, meinte Bernd Fliesser, Chief Creative Officer der Agentur Jandl. Dass man sich für den Dichter Jandl entschieden habe, hatte mehrere Gründe: Jandl war Flüchtling und Deutschprofessor. Darüber hinaus zeigten seine Werke, wie schwer die deutsche Sprache sei, so Fliesser. Als Schauspieler beziehungsweise Schauspielerin konnten die in Österreich lebenden Flüchtlinge Safwan Alshufi, Tanya Kayhan und Bagher Ahmadi gewonnen werden.

Die Plattform „Helfen. Wie wir“ wird vom ORF sowie den Hilfsorganisationen Diakonie, Caritas, Hilfswerk, Rotes Kreuz, Samariterbund und Volkshilfe getragen. Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie im Internet unter: www.helfenwiewir.at

ISSN 2222-2464