Hanns Stekel: Kirchenmusik gehört zum Profil der evangelischen Kirche

Ein musikhistorisches Symposium untersuchte die Musik der Reformationszeit in Österreich

Wien, 18. Juni 2008 (epd Ö) „Kirchenmusik könnte zu einem maßgebenden E-lement des Profils werden, mit dem die evangelische Kirche nach außen wirkt.“ Diese Auf-fassung vertrat der Leiter der evangelischen Johann Sebastian Bach Musikschule in Wien, Direktor Dr. Hanns Stekel, bei einem Symposium zum Thema „Musik der Reformationszeit in Österreich“, das am 10. und 11. Juni im Evangelischen Zentrum in Wien durchgeführt wurde. Stekel forderte in seinem Referat „Musikpädagogik in den evangelischen Schulen“ eine engere Zusammenarbeit zwischen Musikschulen und Pfarrgemeinden insbesondere bei der Gestaltung von Gottesdiensten. Der Musikwissenschaftler wies darauf hin, dass sich die Verbreitung der Reformation im Wesentlichen durch Musik vollzogen habe.

In diesem Zusammenhang betonte Stekel auch die Bedeutung einer Öffnung der Kirche für die „Musik der Zeit“. Auch dies sei bereits in der Reformationszeit ein besonderes Merkmal evangelischer Musikkonzepte gewesen. Nach Stekel sollten „namhafte Musiker der Gegenwart“ für die Gestaltung von Gottesdiensten gewonnen werden.

Dass Martin Luther gegenüber der Musik „in ganz besonderer Weise aufgeschlossen war“, hob auch der emeritierte Wiener Superintendent Univ.-Prof. Mag. Werner Horn hervor. In einem Vortrag über „Die gottesdienstliche Praxis im evangelischen Österreich zwischen 1525 und 1610“ erklärte Horn, Luther habe mit seiner „Deutschen Messe“ von 1526 „keineswegs eine für alle Orte verbindliche Gottesdienstordnung schaffen“ wollen. Deshalb hätten sich in Deutschland und Österreich unterschiedliche Gottesdienstordnungen entwickelt.

Impulse für die Römisch-katholische Kirche

Wie Horn berichtete, sei es im heutigen Österreich allerdings nicht zu reformatorischen Lied- oder Gesangbuchdrucken gekommen, vielmehr seien Gesangbücher importiert worden. Die Entwicklung des reformatorischen Liedgutes habe jedoch die Römisch-katholische Kirche zur Herausgabe eigener Gesangbücher angeregt, wobei, so Horn, „reformatorische Einflüsse unverkennbar“ gewesen seien.

Großen Ideenreichtum und große Vielseitigkeit attestierte Landeskantor

Mag. Matthias Krampe dem 1656 verstorbenen österreichischen evangelischen Komponisten Andreas Rauch. In einem Vortrag über das Lebenswerk des Kirchenmusikers, der zunächst in Wien-Hernals wirkte und dann von der Gegenreformation nach Sopron vertrieben wurde, analysierte Krampe das umfangreiche Werk Rauchs und stellte „Detailfreudigkeit“ sowie zahlreiche originelle und „freche“ Ideen fest.

Selten gehörte Musik

Weitere musikhistorische Referate bei dem Symposium befassten sich mit Themen wie der Auswirkung der Gegenreformation auf die protestantische Kirchenmusik sowie mit dem Ver-hältnis von Meistergesang und Reformation in Österreich. Im Eröffnungskonzert in der Lutherischen Stadtkirche Wien boten die Ensembles „vienna voice artists“ und „dolce risonanza“ unter der Leitung von Matthias Krampe reformatorische Musik des 16. Jahrhunderts aus den österreichischen Ländern und im Abschlusskonzert in der Kalvarienbergkirche Werke von Andreas Rauch.

Das Symposium wurde veranstaltet vom Institut für Kirchengeschichte, Christliche Archäolo-gie und Kirchliche Kunst der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, von der Johann Sebastian Bach Musikschule, vom Amt für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich sowie von der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich.

ISSN 2222-2464