„Halber Karfreitag“: Kritik von allen Seiten

Die seit den 1950ern bestehende Gesetzesregelung zum Karfreitag wird nicht mehr lange gelten. Foto: epd/Uschmann
Die seit den 1950ern bestehende Gesetzesregelung zum Karfreitag wird nicht mehr lange gelten. Foto: epd/Uschmann

Reaktionen aus Ökumene, Politik und Interessensvertretungen

Wien (epdÖ) – Weitgehend negative Reaktionen hat die Ankündigung der Regierungsparteien ÖVP und FPÖ hervorgerufen, den Karfreitag künftig als „halben Feiertag“ für alle einzuführen und ArbeitnehmerInnen ab 14 Uhr freizugeben.

Der Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, meinte gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur Kathpress: „Evangelische Christen werden durch diese Regelung etwas Wichtiges verlieren. Das ist durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs keineswegs gefordert. Vielmehr fordert der EuGH bloß eine diskriminierungsfreie Regelung ein und regt selber an, den gesamten Tag für alle zum Feiertag zu machen.“

Scharfe Kritik kam naturgemäß aus den Reihen der Opposition. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch sprach in einer Aussendung von einem „Kniefall der Regierung vor Wirtschaft und Industrie“, NEOS-Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker sieht in dem aktuellen Vorschlag „die absurdeste Lösung“. Unklarheit bestehe für Teilzeitarbeitskräfte. Im 21. Jahrhundert sei es zudem nicht mehr zeitgemäß, religiös begründete Feiertage einzuführen, so Loacker. Die Arbeits- und Sozialsprecherin der Liste JETZT, Daniela Holzinger, bezeichnete die Karfreitagslösung als „Augenauswischerei“.

Auch die Interessensvertretungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zeigten sich ungewohnt einig in ihrer Ablehnung.  Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl betonte, ein „Vierteltag“ sei „zu wenig“. Laut einer Umfrage hätten jetzt schon rund 40 Prozent der ArbeitnehmerInnen vor 14 Uhr Dienstende, sie profitierten daher nicht von der Regelung. Bernhard Achitz, leitender Sekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), sieht für die ArbeitnehmerInnen „gerade einmal zwei Stunden mehr Freizeit“. Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung hätten ihre Anliegen durchgesetzt. Zufrieden zeigten sich allerdings auch diese nicht. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sieht „eine massive Mehrbelastung für alle Branchen“. „Der nun vorliegende Kompromiss reduziert diese Kosten zwar auf ca. 200 – 300 Millionen Euro. Diese Mehrbelastung der Unternehmen ist jedoch durch geeignete Entlastungsmaßnahmen bei den Lohnnebenkosten abzufedern”, unterstrich WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Für Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), bleiben Fragen zur rechtlichen Ausgestaltung offen.

Die neue Karfreitags-Regelung würde sich nach Ansicht des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) deutlich weniger stark auf die heimische Wirtschaftsleistung auswirken, als von der Wirtschaftskammer geschätzt. So werde sich der negative Wertschöpfungseffekt „nur im zweistelligen Millionenbereich“, also unter 100 Millionen Euro, bewegen, sagte ein Wifo-Experte gegenüber der APA.

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ISSN 2222-2464