Haiti: Österreicher spendeten 14 Millionen Euro für „Nachbar in Not“

ORF und Hilfsorganisationen zogen Bilanz: Hilfe kommt an, aber es bleibt noch viel zu tun

Wien (epd Ö) – Die Hilfe für Haiti komme an, aber es bleibe auch drei Monate nach der Erdbebenkatastrophe vom 12. Jänner noch viel zu tun, um den Menschen nachhaltig zu helfen. Von Normalität sei man in dem Inselstaat noch weit entfernt. Das war der Tenor einer Bilanz-Pressekonferenz von „Nachbar in Not“ am Montag in Wien. Die Hilfe für Haiti mit einem Spendenergebnis von 14 Millionen Euro innerhalb von nur drei Monaten ist nach der Tsunamihilfe (2004/05) die zweiterfolgreichste Hilfsaktion in der Geschichte von „Nachbar in Not“.

Vier Millionen Euro wurden bereits in konkrete Not- und Soforthilfe investiert. Bis Jahresende sollen 80 Prozent der 14 Millionen Euro in weitere mittelfristige Hilfsprojekte fließen. 20 Prozent blieben als Reserve für längerfristige Programme zurück, so „Nachbar in Not“-Vorsitzender Christoph Petrik-Schweifer.

Für die Caritas zog Präsident Franz Küberl eine erste Zwischenbilanz: „In den ersten drei Monaten ist ohne Zweifel viel passiert. Die Caritas und andere Hilfsorganisationen konnten hunderttausenden Menschen helfen.“ Aber: „Das Land war schon vor dem Beben bitterarm. Dazu kommt, dass es praktisch keinen Staat gibt. Vor diesem Hintergrund braucht es mehrere Monate, bis die Hilfe wirklich alle Opfer erreicht.“ Die Sorge der Caritas gelte nun besonders den Kindern.

Der Präsident des Roten Kreuzes, Fredy Mayer, wies darauf hin, dass Haiti für das Rote Kreuz der bislang größte internationale Hilfseinsatz in der 150-jährigen Geschichte der Hilfsorganisation sei. 1000 Mitarbeiter aus aller Welt seien in Haiti im Einsatz, acht davon kommen aus Österreich. Als großen Erfolg der bisherigen gemeinsamen Hilfsmaßnahmen aller Organisationen wertete Mayer die Tatsache, dass bislang keine Seuchen ausgebrochen seien.
Diakonie-Direktor Michael Chalupka hob bei dem Pressegespräch die Notwendigkeit hervor, die Bevölkerung möglichst stark in den Wiederaufbau miteinzubeziehen. Dies geschehe beispielsweise in speziellen „Cash for work“-Programmen. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte, dass das hohe Spendenaufkommen erneut bewiesen habe, dass „Nachbar in Not“ ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung genieße und sich als „qualitätsvolle Marke“ für rasche Hilfe etabliert habe.

Kindernothilfe erreicht mittlerweile über 7900 Kinder

Mit insgesamt 19 verschiedenen Hilfsmaßnahmen konnte die Kindernothilfe bereits über 7900 Kinder und Jugendliche in Haiti erreichen, berichtet die Hilfsorganisation in einer Aussendung. Für viele traumatisierte Kinder in und um die Hauptstadt Port-au-Prince seien die von den lokalen Partnern der Kindernothilfe nach dem Beben errichteten Kinderzentren eine erste Anlaufstelle. „In diesen mittlerweile dreizehn Zentren sind die verängstigten Mädchen und Buben vor Menschenhandel geschützt, werden registriert und bekommen eine kindgerechte und psychosoziale Betreuung“, erläutert Luzia Wibiral, Geschäftsführerin der Kindernothilfe Österreich. In den meisten Zentren der Kindernothilfe wurden mittlerweile Notschulen eingerichtet, auch der Wiederaufbau von zerstörten Schulen wird von der Kindernothilfe unterstützt. Auch sind weitere Kinderzentren in Planung, denn noch immer gebe es laut Kindernothilfe in Haiti „viele traumatisierte Kinder, die dringend Schutz und Unterstützung benötigen“. Durch das Erdbeben in Haiti waren am 12. Jänner 220.000 Menschen ums Leben gekommen, 1,3 Millionen wurden obdachlos. Große Teile der Hauptstadt Port-au-Prince liegen noch immer in Trümmern. Die Schäden des Bebens werden auf acht Milliarden Dollar geschätzt – das ist weit mehr als Haitis jährliche Wirtschaftsleistung vor der Katastrophe.

ISSN 2222-2464