Gustav Adolf Feste zwischen Römerstadt und Millstätter See

In der Römerstadt Carnuntum richteten die Diözesen Burgenland und Niederösterreich erstmals gemeinsam ihr Gustav-Adolf-Fest aus. Foto: epd/Thomas Dasek
In der Römerstadt Carnuntum richteten die Diözesen Burgenland und Niederösterreich erstmals gemeinsam ihr Gustav-Adolf-Fest aus. Foto: epd/Thomas Dasek

Vielfältige Programmpunkte bei den regionalen Begegnungen

Carnuntum/Seeboden/Wien-Donaustadt/Ramingstein/Elixhausen/Enns (epdÖ) – Mehrere tausend Evangelische sind am Fronleichnamstag zu den traditionellen Gustav-Adolf-Festen zusammenkommen. Die regionalen „Kirchentage“ boten ein unterschiedliches Programm für verschiedene Altersgruppen, im Mittelpunkt standen dabei die Begegnung und die gemeinsame Feier des Gottesdienstes.

„Sonne und Schild“ – dieses Motto hatten die Diözesen Burgenland und Niederösterreich für ihr gemeinsames Gustav-Adolf-Fest gewählt. Rund 1500 Menschen waren der Einladung in die Römerstadt Carnuntum gefolgt. Pfarrerin Ingrid Tschank, die gemeinsam mit Pfarrer Jan Magyar den Gottesdienst gestaltete, zeigte sich „dankbar, dass dieses grenzüberschreitende Fest möglich wurde“.  Verantwortlich dafür war ein großes Team an MitarbeiterInnen aus den gastgebenden Pfarrgemeinden Gols und Bruck an der Leitha bzw. Hainburg.

Anna Polcková, Pfarrerin im Zentrum von Bratislava, erinnerte in ihrer Predigt, die sie gemeinsam mit dem niederösterreichischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg hielt, an den Mord an dem investigativen Journalisten Ján Kuciak. „Wir wissen nicht, wer ihn umgebracht hat, aber wir wissen warum“, sagte die Pfarrerin. Kuciak sei gestorben, weil er sich seinem Gewissen und der Wahrheit verpflichtet gefühlt und dabei das „Business der Mächtigen“ enthüllt habe. Gleichgültigkeit, Untätigkeit schaffe Raum für Gewalt. „Christsein kann unbequem sein“, meinte Müller-Marienburg. Kirche dürfe heute „keine weitere Angstmacherpartei“ sein. Vielmehr spreche die christliche Botschaft von der Fülle des Lebens, von Öffnung und der Freude am Miteinander, so der niederösterreichische Superintendent.

Das Miteinander zwischen Kirchen und Land unterstrichen der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl und der niederösterreichische Landtagspräsident Karl Wilfing in ihren Grußworten. Seine Sorge um das Miteinander brachte hingegen Oberkirchenrat Karl Schiefermair in seiner Grußbotschaft zum Ausdruck. Manche politische Entscheidungen, so der Oberkirchenrat, brächten das Miteinander in der Gesellschaft in Gefahr. Kirchen sei es geboten, für die Schwächsten einzutreten und Fremden und Menschen auf der Flucht zu helfen, unterstrich Schiefermair.

Kärnten und Osttirol: „Sternstunde der Ökumene“

Stark ökumenisch ausgelegt war das Gustav-Adolf-Fest in der Diözese Kärnten und Osttirol. In Seeboden am Millstätter See verbanden die Organisatoren die Feierlichkeiten mit dem katholischen Pfarrfest zu Fronleichnam. Bereits zuvor hatten rund 600 Menschen das Festzelt beim Gottesdienst gefüllt, in dem Bischof Michael Bünker predigte und die Lesung in der von ihm angefertigten Kärntnerischen Übersetzung vortrug. In seiner Predigt brachte Bünker in Anlehnung an die biblische Erzählung von Noah zum Ausdruck, „dass es genug für alle gibt und für alle genug geben kann und geben soll“. Um diesen Gedanken zu verwirklichen, „verbünden wir uns mit denen, die sich auch für das gute Leben für alle einsetzen, erinnern die politisch Verantwortlichen an ihre Aufgabe und helfen ihnen dabei und feiern – wie heute – die wunderbare Schöpfung Gottes, die Erlösung durch Jesus Christus und die Erleuchtung und Begeisterung durch Gottes lebensschaffenden Geist.“

Am Nachmittag kam Bünker dann ins Gespräch mit dem katholischen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz – er wechselt demnächst nach St. Pölten – über aktuelle Themen aus Kirche und Gesellschaft. Seniorin Dagmar Wagner-Rauca zog ein begeistertes Fazit: „Mit dieser Sternstunde der Ökumene haben wir wohl Kirchengeschichte in Kärnten geschrieben.“

Wien: „Festhalten am Bekenntnis der Hoffnung“

Mit einem Gottesdienst im Zelt, einem Kirchenkabarett sowie einem „Markt der Möglichkeiten“ feierten die Wiener Evangelischen in Donaustadt ein buntes Gustav-Adolf-Fest. Zur Hoffnung rief Gastprediger Jochen Kramm, Pfarrer im deutschen Schönberg, im Festgottesdienst auf. Über die Fahrgastpflicht in den Wiener Linien – „Bitte sich festzuhalten“ – kam Kramm zum Bibelvers und Motto des Tages: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung“ aus dem Hebräerbrief. „Es gibt eine Zukunft, weil wir Hoffnung haben und diese Hoffnung uns Kraft gibt“, so Kramm. Hoffnungsspender sei Gott, der nicht wanke, der sich treu bleibe – und die Glaubenden so stärke. Den musikalischen Mittelpunkt bildete ein Frühlingskonzert mit dem Vokal Ensemble Humel, Sopran Mei-qun Duan, Mezzo-Sopran Phui Yun Liew, Tenor Daniel Ottischnig und Diözesankantorin Yasuko Yamamoto am Klavier.

Steiermark: „Mit Gott über Mauern springen“

Geographisch nach Salzburg gereist, kirchlich in der Steiermark geblieben sind die steirischen Evangelischen mit ihrem Gustav-Adolf-Fest auf Burg Finstergrün. Die Burg – Teil der Gemeinde Murau-Lungau – wurde unter dem Motto „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ zum Festplatz. Wie das ganze Jahr über standen auf der Abenteuer-Erlebnis-Burg die Kinder im Mittelpunkt, so wurde unter anderem ein Abenteuer-Jugendgottesdienst geboten, Märchen- und GeschichtenerzählerInnen sorgten für zusätzliche Spannung, beim Tanzen und Grillen am Lagerfeuer waren alle zum Mitmachen eingeladen.

Salzburg und Tirol: Erinnerung an Siebenbürger Sachsen

Die Evangelischen der Diözese Salzburg und Tirol kamen im Salzburger Elixhausen zusammen. Nach dem Festgottesdienst, in dem Superintendent Olivier Dantine predigte, sorgte der Kabarettist Ingo Vogl für Unterhaltung. Vogl, selbst beim Roten Kreuz engagiert, nahm dabei humorvoll die Arbeit von Ehrenamtlichen unter die Lupe. Gezeigt wurde auch ein Film über diejenigen Siebenbürger Sachsen, die während des Zweiten Weltkriegs nach Salzburg kamen und sich zu großen Teilen in Elixhausen ansiedelten. Bezug genommen wurde dabei auch auf die aktuelle Flüchtlings- und Integrationsdebatte. Ein Spaziergang durch das historische Elixhausen rundete das Programm ab.

Oberösterreich: Best of 2018 und römische Geschichte

Enns war der Schauplatz des oberösterreichischen Gustav-Adolf-Festes. In der katholischen Basilika St. Laurenz feierte Pfarrerin Ines Charlotte Knoll mit den Gästen, nachmittags erwartete die BesucherInnen Festprogramm in der Ennser Stadthalle, wobei unter anderem der Ennser Singverein 1919 mit einem „Best of 2018“ für Stimmung sorgte. Das Angebot zur Besichtigung der Landesaustellung „Die Rückkehr der Legion“, die sich mit dem römischen Erbe im ganzen Bundesland befasste, wurde ausgiebig angenommen.

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ISSN 2222-2464