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Greenpeace und die Armutskonferenz: Teuerung ist kein Schicksal – Gemeinsam gegen Armut und Klimawandel

313.000 Menschen in Österreich können sich Warmhalten der Wohnung nicht leisten

Wien (epd Ö) – Angesichts der alarmierenden sozialen und ökologischen Auswirkungen der energiepreisbedingten Teuerung haben sich Vertreter führender Sozial- und Umweltorganisationen in einem offenen Brief an Österreichs wahlwerbende Parteien gewandt. Darin fordern sie eine Garantie darüber, dass der Ausstieg aus fossilen Energieträgern als zentrales Regierungsprojekt verankert wird. „Teuerung ist kein Schicksal. Für Sozial- und Umweltorganisationen ist der konsequente Kurs auf die Energieunabhängigkeit Österreichs eine klare Koalitionsbedingung“, so Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace, und Martin Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz.

„Jetzt schon können es sich 313.000 Menschen in Österreich – also vier Prozent der Wohnbevölkerung – nicht leisten, die Wohnung angemessen warm zu halten“, weist Martin Schenk auf die angespannte Situation hin. „Wenn nichts passiert, wird diese Zahl nächstes Jahr auf eine halbe Million anwachsen.“ Die Heiz- und Wohnkosten machen bei Haushalten mit weniger als 900 Euro Einkommen bereits 36 Prozent des monatlich verfügbaren Gesamtbudgets aus. Je weiter das Einkommen sinkt, desto höher ist dieser Anteil.

„Einkommensschwache sitzen in der Energiearmutsfalle, da das untere Einkommensfünftel kein Kapital hat, um notwendige Investitionen zu tätigen“, erklärt der Sozialexperte. Um Menschen an der Armutsgrenze zu entlasten, müsse die nächste Regierung die Betroffenen beim Umstieg auf nachhaltige und auf Dauer günstigere Energieformen sowie bei Maßnahmen für einen geringen Energieverbrauch und leistbaren öffentlichen Verkehr unterstützen. Schenk: „Es geht darum, eine Win-Win-Situation herbeizuführen: Die Armen treffen Teuerungen am härtesten, deshalb ist Kostenreduktion bei Energie eine wichtige sozialpolitische Maßnahme bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt.“

Ausstieg aus fossilen Brennstoffen

Kurzfristig sollte nach den Vorstellungen der Armutskonferenz der Heizkostenzuschuss in eine echte Grundsicherung integriert, österreichweit vereinheitlicht und mit Investitionen in Energiesparmaßnahmen verbundenen werden. Dazu braucht es eine niederschwellige Energieberatung, die alle, nicht nur die Mittelschichten, erreicht. Mittelfristig müsse die Wohnbauförderung stärker ökologisiert und Subjektförderung zugelassen werden. In einem groß angelegten Programm sollten Wärmedämmung und Sanierungsmaßnahmen in allen Sozial- und Gemeindebauten Österreichs erfolgen.

„Österreich muss bis 2040 den völligen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen erreichen“, betont Alexander Egit von Greenpeace einen nachhaltigen Kurs gegen Armut und Klimawandel. Der UNO-Weltklimarat fordert von Industriestaaten eine Reduktion der CO2-Emissionen um 80 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2050. „Ein Land mit derartig guten Voraussetzungen wie Österreich – Stichwort Wasserkraft – sollte sich aber deutlich mehr vornehmen, um als Vorreiter den Gesamtprozess positiv zu beeinflussen und industriepolitische Impulse zu setzen.“

ISSN 2222-2464