„GlobArt“ zeichnete Ernesto Cardenal aus

Ökumenischer Gottesdienst in Pernegg und Festakt in der Wiener Wotruba-Kirche – Weiland: Wert des Menschen nicht an Äußerlichkeiten messen

Wien (epd Ö) – Der nicaraguanische Priester-Dichter Ernesto Cardenal wurde am 14. Juni mit dem österreichischen „GlobArt Award“ ausgezeichnet. Die Würdigung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Klosterkirche von Pernegg, den der frühere Abt des Stiftes Geras, Joachim Angerer, und der niederösterreichische evangelische Superintendent Paul Weiland gestalteten. Am Sonntagnachmittag wurde Ernesto Cardenal im Rahmen eines Festaktes in der Wiener Wotruba-Kirche geehrt. Dabei las der Dichter auch aus seinen Werken über Hoffnung und Absage an die Unterdrückung. Er betonte, er nehme den Preis nicht nur für sein „bescheidenes“ Wirken, sondern „für die vielen Gleichgesinnten seines Landes“ entgegen.

In seiner Predigt sagte der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland, es gehe im Glauben immer um die Menschen der jeweiligen Zeit. Gott werde die Menschen nicht danach beurteilen, was sie besitzen, sondern danach, was sie weitergegeben haben an Begabungen, an Talenten, an Liebe, natürlich auch an Geld, um anderen Menschen zu helfen. Mit Verweis auf das Jesuswort „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ aus dem Matthäusevangelium erklärte der Superintendent, der Wert des Menschen sei nicht an Äußerlichkeiten zu messen, sondern an seiner Herkunft als Geschöpf Gottes. Statt „mein“ und „dein“ gelte in der christlichen Nachfolge „ich“ und „du“.

Die Auszeichnung für Cardenal – einstiger Kulturminister im sandinistischen Nicaragua – erfolgt laut „GlobArt“ im Hinblick auf seinen Einsatz für die Armen, Entrechteten und an den Rand Gedrängten. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker Lateinamerikas – zugleich hat er die Entwicklung des Kontinents als Literat, Theologe und Politiker wesentlich beeinflusst. „GlobArt“ zeichnet seit 1997 Persönlichkeiten für ihr zivilgesellschaftliches Engagement aus. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der austro-brasilianische Bischof Dom Erwin Kräutler, Yehudi Menuhin, Riccardo Muti und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel.

ISSN 2222-2464